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Elemente und Prinzipien im Aikido

Dieser Text wurde von Markus Hansen erstellt. Er wird unter anderem für die Trainerlizenz-Ausbildung im DAB genutzt.

Einführung

Aikido wird heutzutage weltweit in unterschiedlichsten Ausprägungen vermittelt. Diese Unterschiede gehen zum einen darauf zurück, dass Morihei Ueshiba sich und seine Kampfkunst zeitlebens beständig weiterentwickelte, zum anderen aber auch darauf, dass die Aikido-Lehrenden nach ihm ebenfalls solche persönliche Entwicklungen durchlaufen haben. Dabei ist Aikido zugleich Ausfluss der kombinierten Erfahrungen unzähliger Generationen an Lehrenden vor Ueshiba.

Beobachtet man diese unterschiedlichen Varianten, so fallen doch ziemlich deutlich die Gemeinsamkeiten auf und die Unterschiede treten in den Hintergrund. Es gibt also etwas, was alle diese Varianten gemeinsam haben, was sie als eng verwandte Bewegungsschulen erkennbar macht. Diese Bewegungsverwandtschaften finden sich vielfältig, und das hat seinen Grund. Bei den Formen, die im Aikido gelernt werden, geht es (wie in den meisten Budo) nicht darum, für jede erdenkliche Situation eine Speziallösung anzutrainieren. Vielmehr soll durch das wiederholte Üben der Techniken ein Verinnerlichungsprozess angestoßen werden, der eben nicht nur äußerliche Bewegungsformen automatisiert, sondern allen diesen Bewegungsmustern zugrundeliegende Prinzipien, Genri 原理, vermittelt. Das eine, fundamentale Kernprinzip, das in allen Formen einer Bewegungsschule steckt, nennt sich Riai 理合.

Gen bedeutet übersetzt Anfang, Ursprung, Grundlage. Ri bedeutet Vernunft, Logik, Prinzip, Theorie. Ai bedeutet zusammenkommen, perfekt zusammenpassen.

Im Iwama-ryu wird mit Riai insbesondere die Kohärenz der unbewaffneten Bewegungsformen mit denen mit Jo und Ken bezeichnet. Aber dahinter steckt mehr: Riai ist der gemeinsame Kern, der in allen Aikido-Formen und Varianten steckt und der die Gesamtheit dieser Formen zu einem System macht und zu einem Do, dessen prinzipieller Kern sich über die körperliche Interaktion hinaus entfalten kann. Riai ist quasi das „Big Picture“ eines Kampfkunstsystems, das Grundkonzept.

Die Angriffsituationen im Aikido, insbesondere der Übungen, mit denen Anfänger sich auseinandersetzen müssen, wirken zunächst sehr gestellt. Auch das, was später unter Schlagangriffen praktiziert wird, ist kein Nahkampftraining. Die Bewegungsformen im Aikido sind mindestens die ersten Jahre sehr formal standardisiert. Zwar gibt es unterschiedliche Interpretationen in den einzelnen Linien und bei den einzelnen Lehrerinnen und Lehrern, wie genau bestimmte Techniken auszusehen haben, aber letztlich verfolgen alle den gleichen Ansatz. Das Nachvollziehen und Internalisieren standardisierter Bewegungsmuster ist der Schlüssel dazu, Aikido nicht bloß als Sammlung von Formen, sondern schließlich auf einer prinzipiellen Ebene zu realisieren.

Deshalb ist es auch am Anfang der Ausbildung so wichtig, ein solides Fundament zu etablieren und innerhalb der Systematik einer klaren Linie zu verbleiben, um sich diesen Schlüssel zu erarbeiten. Die Ausgestaltung der grundlegenden Bewegungselemente und Formen kann sich in den einzelnen Aikido-Linien unterscheiden. Daher ist es auch anfangs nicht egal, welche Formen die Schülerinnen und Schüler nachvollziehen und an welcher Anleitung sie sich orientieren. Für den Lernfortschritt ist eine deutliche Richtig/Falsch-Schablone durch ein klares Vorbild gerade in den ersten zehn Jahren sehr wichtig.

Diese Schablonen für alle Grundformen systematisch zu vermitteln, ist eine große Herausforderung, denn nicht alle Teile davon machen allen gleichermaßen Spaß oder fallen ihnen gleichermaßen leicht. Mitunter vernachlässigen Lehrende dann die Stellen, die sie selbst nicht faszinieren. Das sind dann allerdings die Bausteine des Schlüssels zum Verständnis des Aikido, die ihren Schülerinnen und Schülern später fehlen.

Die Prüfungsordnung dient daher als Rahmenlehrplan für die Ausbildung. Das systematische Abfordern der einzelnen Fächer in den Prüfungen sorgt dafür, dass auch die nächsten Generationen an Aikido-Lehrenden sich umfangreich mit der Gesamtheit des Lehrstoffes auseinandergesetzt haben. Zudem liegt der Konzeption des Prüfungsprogramms der Gedanke zugrunde, dass die geforderten exemplarischen Formen den Aikido-Prinzipien deutlich entsprechen, damit sich diese den Lernenden erschließen. Aikido wird dabei nicht durch Warten auf geniale Eingebung, sondern durch fortwährendes, aufmerksames Üben aller Aspekte unter kompetenter Anleitung gelernt.

Jede Technik, jede Idee, die man vermittelt bekommt, ist ein Kondensat der oft jahrzehntelangen Erfahrung der Person, die einen unterrichtet. Und nicht ohne Grund werden mit zunehmender Reife der Unterrichtenden deren Bewegungen immer kleiner, feiner und schnörkelloser. Sie nähern sich immer mehr der puren Essenz – dem Riai – an, bis man zum Teil kaum noch sehen kann, wie sie sich bewegen. Sehen reicht ohnehin nicht. Um Aikido zu lernen, muss man es üblicherweise fühlen.

Bevor es ans Fühlen geht, müssen jedoch die grundlegenden Elemente gelernt werden, aus denen sich dann die Formen und irgendwann die freien Aikido-Bewegungen zusammensetzen. Aikido ist eine Bewegungsdisziplin, die daher eine Verinnerlichung von motorischen Abläufen erfordert. Die Bewegungsmuster werden durch fortwährende Wiederholung derart internalisiert, dass sie schließlich spontan zur Anwendung gelangen können, statt durch Entscheidung ausgewählt und danach bewusst durchgeführt zu werden. Die motorischen Lernprozesse sind insofern wichtiger als die kognitiven. Eine Analyse der Bewegungen auf intellektueller Ebene kann zwar helfen, die körperlichen Abläufe genauer zu erfassen, Aikido ist aber keine intellektuelle Disziplin, sondern eine praktische.

Kihon 基本 – Grundlegende Elemente

Kihon 基本 bedeutet übersetzt Fundament, Grundlage, Grund, Basis. Es handelt sich um die grundlegenden Elemente, die benötigt werden, um Aikido zu lernen, um die Bausteine, aus denen die Techniken entstehen. Beim Lernen geht es nicht nur darum, sich diese Elemente selbst anzueignen, sondern insbesondere auch darum, was deren Anwendung in der Interaktion mit den Übungspartnerinnen und -Partnern bewirken.

Körperhaltung

Hanmi 半身 bedeutet wörtlich "halber Körper" und bezeichnet die Grundstellung und Körperausrichtung sowie die relative Ausrichtung zu Uke bzw. Nage. Im Hanmi liegen Füße und Zentrum genau auf einer Linie, die auf Uke ausgerichtet ist. Der vordere Fuß zeigt dabei nach vorn, der hintere schräg zur Seite. Dem Gegenüber wird so nicht die ganze Front als Angriffsfläche dargeboten. In Migi Hanmi 右半身 ist das rechte Bein vorn, in Hidari Hanmi 左半身 das linke.

Haben beide Personen den gleichen Fuß vorn (beide den linken bzw. beide den rechten), stehen sie in Ai-Hanmi 相半身 zueinander. Haben sie verschiedene Füße vorn, stehen sie in Gyaku-Hanmi 逆半身 zueinander. Bei der Ausführung der Angriffe ist von Uke darauf zu achten, sich im jeweils richtigen relativen Hanmi zu befinden, damit die Grundformen der Techniken korrekt und sinnvoll erlernt werden können.

Ai-hanmi Gyaku-hanmi

Die natürliche Körperhaltung, wenn man nicht im Hanmi steht, nennt sich Shizentai 自然体. Bei der Stellung Hito-e-mi 一重身 (Körper in einer Ebene) ist der hintere Fuß im Vergleich zum Hanmi leicht hinter die Zentrumslinie versetzt. Bei der Haltung Kenka-goshi 喧嘩腰 (drohende, streitlustige Haltung) sind der vordere und hintere Fuß jeweils leicht neben die Zentrumslinie versetzt. Diese Haltungen sind in einigen Waffentechniken relevant. Aus den unterschiedlichen Fußstellungen ergeben sich in der Folge jeweils leicht unterschiedliche Hüfthaltungen.

Hanmi Shizentai Hito-e-mi Kenkagoshi

Kamae 構え bedeutet übersetzt Haltung. Als Übersetzung für Kamae wird manchmal auch "Kampfhaltung" genannt.

In der Kamae-Grundhaltung im Aikido steht man im Hanmi und lässt die Arme als Tegatana (s.u.) aus den Schultern – die Ellenbogen werden nicht gebeugt, aber auch nicht gestreckt – locker nach vorn schwingen, so dass beide Hände ebenfalls auf der Zentrumslinie sind. Die Hand auf der Seite des vorderen Fußes kommt dabei etwas höher und weiter vor als die andere. Die Beine werden ebenfalls weder gebeugt noch gestreckt. Diese Grundhaltung sieht ähnlich aus, als halte man ein japanisches Schwert vor. Für den Umgang mit Waffen gibt es spezielle Kamae, die dann auch eigene Bezeichnungen haben.

Tegatana 手刀 bedeutet übersetzt Hand-Schwert und wird zumeist mit Schwerthand übersetzt. Es handelt sich dabei um eine gleichsam stabile wie lockere Armhaltung, so als ob man mit den Armen ein Schwert führt. Zudem wird Hand bzw. Arm schneidend eingesetzt wie eine Klinge. Daher kann sich Tegatana als Begriff sowohl auf den ganzen Arm als auch nur auf die Hand beziehen. Diese natürliche Armhaltung entspricht in der leichten Krümmung zudem der Form der Schwertklinge eines japanischen Katana.

Shisei 姿勢 bedeutet übersetzt Körperhaltung, Pose, aber auch (innere) Haltung, Einstellung. Beim Ausführen der Aikido-Techniken versucht man - als Nage wie Uke - eine bestimmte körperliche Struktur aufrechtzuerhalten. Dazu gehört insbesondere, dass man sich stets von Hanmi zu Hanmi bewegt, also nicht in einzelnen Technikphasen diese Grundstruktur verliert. Ebenso ist wichtig, stets so aufrecht wie möglich zu bleiben und die Schultern (Kata ) und Hüften (Koshi ) synchron zu bewegen und auszurichten, da sonst die Bewegungen nicht aus dem Zentrum kommen können.

Die Arme werden vor dem Zentrum geführt, die Arme und Schultern bleiben entspannt. Die Ellenbogen werden in den meisten Fällen nicht außerhalb des vorderen Zentrumsbereichs geführt oder nach innen oder außen verdreht. Das Zentrum (s.u.) bleibt tief, das Gleichgewicht ist zumeist auf beide Beine verteilt, so dass kein Fuß abhebt. Knie und Füße sind ebenfalls synchron ausgerichtet. Die Beine werden nicht durchgestreckt. Beim Arbeiten im Kniesitz ist zur Vermeidung von Knieschäden zudem darauf zu achten, dass in der Regel die Hacken unter dem Gesäß und die Füße beieinander verbleiben, so dass es nicht zu einer Verdrehung im Knie kommt.

Auch als Uke ist darauf zu achten, die eigene Haltung (und die Ausrichtung auf Nage) zu erhalten. Uke muss beständig darauf achten, sich wieder auf das Zentrum von Nage auszurichten und dieses einnehmen zu wollen, d. h. kontinuierlich mit der eigenen Energie auf das Zentrum von Nage zuzuarbeiten. Uke muss dabei die eigene Energie und Geschwindigkeit stets so dosieren, dass Nage die Technik noch ausführen kann, denn es handelt sich um ein gemeinsames Lernen, nicht um einen Wettkampf, welche Person die stärkere ist. Uke darf also weder nach dem ersten Kontakt den eigenen Körper entkoppeln (Totfisch-Uke), noch darf ein Uke so blockieren, dass die Technikausführung durch Nage verhindert wird. Zu den Aufgaben von Uke gehört es auch, nach dem ersten Angriff nicht von selbst in eine passive Rolle zu verfallen, sondern weiter die Aufmerksamkeit eines Angreifers aufrecht zu erhalten und z. B. von Nage gesetzte Atemi schützend abzuwehren.

Zum Schützen des eigenen Körpers gehört auch das koordinierte Fallen im rechtzeitigen Moment, damit z. B. die Wirbelsäule nicht in ein Hohlkreuz überdehnt wird.

Körperbewegung

Ashi-sabaki 足捌き heißt übersetzt "Methoden des Gehens" oder "Beinarbeit". Damit werden die grundlegenden Schritte und Schrittfolgen bezeichnet, die in den Aikido-Techniken vorkommen. Der Begriff wird häufig zu Sabaki 捌き verkürzt verwendet.

Grundsätzlich ist zu beachten:

  • Die Schritte werden in Suri-ashi 摺り足, d.h. mit gleitenden Schritten ausgeführt, was zu schleifenden Geräuschen auf den Tatami führt.

  • Alle Drehbewegungen der Hüfte werden aus Gleichgewichtsgründen von den Füßen auf den Ballen umgesetzt, nicht auf den Hacken.

Irimi-ashi

Beim eintretenden Schritt Irimi-ashi 入り身足 wird aus dem Hanmi der hintere Fuß nach vorn bewegt und dann mit der Hüfte das Zentrum eingedreht. Der nach vorn gehende Fuß bewegt sich möglichst grade und beschreibt dabei keinen Halbkreis. Sinn der Bewegung ist es, mit dem Körper einzutreten (Irimi) und das Zentrum von Uke aktiv einzunehmen bzw. zu verdrängen, und so Kontrolle darüber zu übernehmen.

Irimi-ashi

Tenkan-ashi

Beim aufnehmenden Schritt Tenkan-ashi 転換足 wird umgekehrt aus dem Hanmi das Körperzentrum gedreht und dann der vordere Fuß nach hinten genommen. Der nach hinten gehende Fuß bewegt sich möglichst wenig von der ursprünglichen Linie und beschreibt dabei keinen zu großen Halbkreis. Sinn der Bewegung in der Technik ist es, Ukes Bewegung zunächst zuzulassen und dabei so umzuleiten (Tenkan, s.u.), dass dessen Zentrum durch das eigene kontrolliert wird.

Tenkan-ashi

Tai-Sabaki

Werden Irimi-ashi und Tenkan-ashi fließend miteinander verbunden, wird die Bewegung Tai-sabaki 体捌き oder manchmal auch Irimi-tenkan genannt.

Tai-sabaki

Tai-sabaki bedeutet wörtlich "geschickte Handhabung des Körpers" oder "Körperbewegung", ist daher auch als Oberbegriff für die Bewegungsgrundschule zu finden. Verbreitet ist auch die Bezeichnung "Doppeldrehung".

Findet Tai-sabaki Anwendung in einer Technik (beispielsweise bei der Annahme eines Yokomen-uchi), so sind Ausrichtung im Raum und damit die Winkel der Bewegungen und Fußstellungen entsprechend angepasst. Tai-sabaki ist das flexibelste Bewegungsgrundmuster, um sich zu repositionieren bzw. das Hanmi zu wechseln und Kontrolle über Uke zu etablieren.

Ayumi-ashi

Ayumi-ashi 歩み足 entspricht in der Bewegungsabfolge dem normalen Gehen, so dass die Füße immer abwechselnd vorn sind und das Hanmi jeweils gewechselt wird.

Ayumi-ashi

Dabei ist die Gewichtsverlagerung zwischen den Füßen so, dass zunächst wahrnehmend getastet wird, bevor ein Fuß belastet wird. Die Hüfte bleibt beständig auf einer Höhe. Ayumi 歩み bedeutet Schritt, Gehen, Schreiten.

Tora-bashiri 虎走 bedeutet Tigerschritt und ist manchmal als Bezeichnung für die besonders tastende Form von Ayumi-ashi zu finden.

Tsugi-ashi

Bei Tsugi-ashi 次足 (man findet auch 継ぎ足) bleibt immer der gleiche Fuß vorn. Dabei wird zuerst der hintere Fuß an den vorderen herangezogen, bevor der vordere weiter vor gleitet. So wird das Hanmi nicht gewechselt.

Tsugi-ashi

Bei einer Rückwärtsbewegung wird entsprechende zunächst der vordere Fuß an den hinteren gezogen, dann der hintere versetzt. Die Fußstellung im Hanmi wird also jeweils zuerst verkürzt, dann wieder auf ca. Schulterbreite erweitert.

Tsugi bedeutet Folgender, Nächster. Tsugi 継ぎ bedeutet folgen, nachfolgen. Beides bezieht sich darauf, dass man die Position im Raum verändert, nicht aber aber Ausrichtung und ggf. Distanz zu Uke, dessen Veränderung im Raum man folgt.

Okuri-ashi

Bei Okuri-ashi 送り足 bleibt immer der gleiche Fuß vorn. Dabei gleitet zunächt der vordere Fuß weiter vor, bevor der hintere nachgezogen wird. So wird das Hanmi nicht gewechselt.

Okuri-ashi

Bei einer Rückwärtsbewegung gleitet entsprechend der hintere Fuß zunächst zurück, dann zieht der vordere nach. Die Fußstellung im Hanmi wird also jeweils zuerst geweitet, dann wieder auf ca. Schulterbreite verkürzt. Okuri 送り bedeutet Verlegung.

Kaiten

Bei Kaiten 回転 ("Drehung", "Rotation") wird das Zentrum auf der Stelle gewendet. Die Füße drehen dabei auf dem Ballen, so dass man im anderen Hanmi stehend endet. Als weitere Bezeichnung findet sich Tenkai 転回 mit gleicher Bedeutung.

Kaiten

Körpergefühl

Das Zentrum ist der Körperschwerpunkt des Menschen, aus dem heraus die Aikido-Bewegungen erfolgen. Zur grundlegenden Ausbildung im Aikido gehört es daher, ein Gefühl und Bewusstsein für das eigene Zentrum (und später auch das von Uke) und dessen Einsatz zu entwickeln, wofür es verschiedene Übungen gibt.

Als japanische Begriffe findet man Seika Tanden 臍下丹田 (wörtlich: rotes Reisfeld unter dem Bauchnabel) oder einfach nur Tanden, manchmal auch Kikai tanden 気海丹田 (wörtlich: rotes Reisfeld im Meer der Energie). Auch der Begriff Hara (wörtlich: Bauch) wird genannt.

Die Begriffe Seika Tanden, Kikai Tanden oder Tanden sind sehr metaphorisch und daher nicht ohne weiteres verständlich. Hara ist zunächst rein körperlich, hat allerdings u. a. in der japanischen prärationalen Medizin zusätzlich die Bedeutung, nicht nur körperliches Zentrum, sondern auch Ort von Intuition und Emotion (vergl. "Bauchgefühl" oder "Schmetterlinge im Bauch") zu sein. Das Hara gilt insbesondere in buddhistisch geprägten Traditionen als Sammelbecken des Ki (s.u.), als Energiezentrum des Menschen. Da die Kampfkünste zusammen mit dem Buddhismus, inbesondere dem Zen-Buddhismus (mit dem allerdings Aikido nur sehr bedingt zu tun hat), in den Westen gelangten, wird der Begriff Hara insbesondere in der frühen westlichen Literatur vergleichsweise häufig verwendet.

Zentrum im Wortsinne im Japanischen ist Chushin 中心. Chushin setzt sich aus zwei Kanji zusammen, Chu bedeutet Mitte, Shin (andere Aussprache: Kokoro) bedeutet Geist/Seele/Verstand/Wesen. Zusammengenommen bedeutet Chushin so etwas wie Wesenskern. Chushin beschreibt das wesentliche Zentrum von Körper und Bewusstsein. Chushin wird als Begriff für das Zentrum zum Beispiel vom Doshu des Aikikai verwendet. Auch Chushin wird mitunter im Buddhismus verwendet, ist allerdings weniger religiös belegt als Hara.

Chushinsen 中心線 ist entsprechend die Zentrumslinie, die sowohl die körperliche Ausrichtung als auch den Fokus der eigenen Ausrichtung und Energie angibt. Dieses Konzept findet man neben dem Aikido auch in den japanischen Schwertschulen, was angesichts dessen, dass sehr viele Aikido-Bewegungen von Schwertbewegungen abstammen, auch nicht verwunderlich ist.

Interaktion

Reigi 礼儀, Reishiki 礼式, Reiho 礼法 oder nur Rei bezeichnen die Etikette und damit den respektvollen Umgang miteinander auf und neben der Matte. Die Wahrung von Form und respektvoller Umgang miteinander wie das Anerkennen und sich Einfügen in die Hierarchie sind Grundprinzip aller Budo. → Siehe Etikette.

Zanshin 残心 bedeutet verbleibender Geist. Es ist eine unfokussiert wahrnehmende Aufmerksamkeit und Geisteshaltung. Die Umgebung wird ohne Konzentration auf einen bestimmten Punkt (nicht nur optisch) wahrgenommen. (Achtung: Zanshin 残身 mit anderen Kanji geschrieben bedeutet verbleibender Körper. Damit ist gemeint, dass nach einer Technik, insbesondere bei Würfen, Nages Körper im Gleichgewicht und mit dem Hanmi zu Uke ausgerichtet verbleibt.)

Metsuke 目付 bedeutet übersetzt im Budo soviel wie "wie man die Augen verwendet". Eine andere Übersetzung ist "anhaftende Augen". Metsuke bezeichnet, wie man schaut und wohin man schaut, also Fokus und Ausrichtung der visuellen Wahrnehmung. Neuanfangende sind zumeist damit beschäftigt, zu ihren Füßen zu schauen, um zu überprüfen, ob diese korrekt gesetzt sind. Ist Ashi-sabaki einigermaßen erlernt, verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf die eigenen Hände. Ist auch hier ein Grundniveau an Sicherheit erreicht, verschiebt sich die Aufmerksamkeit weiter zu dem Körperteil (bzw. der Waffe) von Uke, mit der man angegriffen wird. Viele bleiben in diesem Stadium stehen, entwickeln sich nicht weiter, sondern schauen immer auf die schlagende Hand, wenn sie angegriffen werden, oder auf die Stelle, an der sie selbst als nächstes agieren werden.

Enzan-no-metsuke 遠山の目付, Anwendung der Augen auf einen weit entfernten Berg, ist eine bekannte Beschreibung dafür, wie man den eigenen Blick einsetzt, um Metsuke zu entwickeln. Dieser Blick ist ausgerichtet, aber entspannt, so dass auch andere Dinge, die nah an einem sind, wahrgenommen werden können, ohne, dass auf diese fokussiert werden muss. Auch Objekte oder Bewegungen am Rand des Gesichtsfeldes werden so wahrgenommen, ohne sich erst ausrichten zu müssen. Dies erlaubt ein unverzüglicheres Reagieren auf Angriffe. Routinierte Autofahrer kennen meist ähnliche Effekte, bei denen sie auf das Verkehrsgeschehen reagieren, ohne dass ihnen dieses im Bewusstsein präsent ist.

In einer Kampfsituation ist es ein taktischer Vorteil, wenn das Gegenüber keine Anhaltspunkte dafür hat, wie man etwas wahrnimmt, wie man es bewertet und wie man zu agieren plant. Dieses "sich nicht lesen lassen" kann sich bei hinreichendem Training auch auf Situationen außerhalb einer körperlichen Auseinandersetzung übertragen und auch hier Vorteile bieten, etwa, dass man bestimmte Aspekte zwar wahrnimmt, aber erst bewertet, wenn man es benötigt. Diese neutral wahrnehmende Aufmerksamkeit ist ein wichtiger Aspekt innerer Ruhe und Gelassenheit.

Hin und wieder ist der Hinweis zu hören, dass man Uke keinesfalls in die Augen schauen dürfe. Dies ist für ein gewisses Entwicklungsstadium hilfreich, um die periphäre Wahrnehmung nicht zu unterdrücken. Beherrscht man Metsuke, gibt es jedoch keinen Grund, Ukes Blick auszuweichen. Man kann sogar Ukes Blick und seine Aufmerksamkeit einfangen, also Ukes Metsuke führen, während man selbst in der Wahrnehmung offen bleibt.

Ma-ai 間合い bedeutet übersetzt passende Distanz. Oft findet sich "harmonische Distanz" als Übersetzung bzw. Deutung.

Ma bedeutet sowohl Abstand als auch Beziehung zwischen zwei Dingen. Spalt und Zwischenraum sind weitere Übersetzungen. Das Kanji zeigt die Sonne , die durch ein Tor scheint. Sowohl räumliches wie auch zeitliches Intervall kann damit gemeint sein.

Ma-ai als "harmonische Distanz" bedeutet, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, also räumliche und zeitliche Koordination der eigenen Bewegungen ideal an die Angriffsbewegung anzupassen. Man befindet sich im genau passenden Moment in genau passendem Abstand und genau passender Ausrichtung. Ma-ai schult also auch das Erkennen des rechten Augenblicks.

Ma-ai ist also keine feststehende Distanz ("immer 50 Zentimeter"), sondern die im jeweiligen Moment und der jeweiligen Situation ideal angemessene. Insbesondere, wenn Uke (oder auch Nage) bewaffnet ist, ist je nach Aktionsradius auf eine andere Distanz und ein anderes Timing zu achten.

Kuzushi 崩し bedeutet übersetzt zusammenfallen lassen. Damit wird die Übernahme der Kontrolle über das Gleichgewicht von Uke bezeichnet.

Das sinngebende Kanji Kun/Kuzusu setzt sich zusammen aus den Zeichen San/Yama mit der Bedeutung Berg und darunter Ho/Tomo mit der Bedeutung Freunde. Hier sind bildlich Menschen unter einem Berg zu sehen, die dort Gänge graben und so das Fundament aushöhlen, bis der Berg durch sein eigenes Gewicht in sich zusammenfällt.

Physikalisch bedeutet Gleichgewichtsbrechung, dass sich die senkrechte Projektion des Masseschwerpunktes zum Boden nach außerhalb der Stützfläche des Körpers verschiebt. Dies bedeutet, dass sich das Zentrum nicht mehr über der von den Füßen (oder anderen Körperpunkten mit Bodenkontakt) erfassten Fläche befindet.

Ein Hinweis für gutes Kuzushi ist die Schulterachse: Ist eine Schulter höher als die andere, spricht dies für eine schlechte Balance (gleiches gilt für die Hüfte). Daher sollte man bei der Ausführung von Techniken darauf achten, dass die Schultern und die Hüften sich möglichst synchron bewegen und nicht schief ausgerichtet werden.

Kokyu 呼吸 bedeutet übersetzt: Atmen, Einatmen; Kniff, richtige Technik; Eintracht, Harmonie (bei einer gemeinsamen Arbeit).

Das Wort setzt sich zusammen aus den Kanji Ko und Kyu . Diese haben folgende lexikalische Bedeutung:

  • Ko
    einladen | jmdn. rufen | kommen lassen (Arzt) | nennen | verursachen (hohe Preise)

  • Kyu
    aufsaugen (Schwamm: Wasser) | einatmen, einsaugen | rauchen (Zigaretten)

Beiden Begriffen gemein ist also der aufnehmende Aspekt in der Bedeutung. Eine lose Übersetzung von Kokyu in einigen Aikido-Richtungen ist Timing oder Synchronisierung (vergl. die Übersetzung „Harmonie bei einer gemeinsamen Arbeit“).

Durch gezielt eingesetzte Zwerchfellatmung und die daraus resultierende innere Stabilität des Körpers lässt sich bei idealer Synchronisierung der eigenen Bewegungen mit denen von Uke eine optimierte Auswirkung der eigenen Bewegungen erreichen. Dieser Effekt wird mit Kokyu-ryoku 呼吸力, frei übersetzt mit „Atemkraft“, beschrieben.

Sukima 隙間 bedeutet übersetzt Lücke, Öffnung, Spalt, Zwischenraum und bezeichnet eine räumliche und/oder zeitliche Lücke in der Struktur, Stellung oder Aufmerksamkeit, die für eine Aktion wie einen Angriff genutzt werden kann.

Suki bedeutet übersetzt Gelegenheit, Blöße, Unvorbereitetsein, Ritze, Spalt oder Zwischenraum. Neben Suki ist das Kanji Ma enthalten (vergl. Ma-ai).

Obwohl Suki eigentlich einen unbeabsichtigten Aspekt enthält, kann Sukima bewusst gegeben werden, um Uke zu einem Angriff oder einer bestimmten Bewegung zu verlocken.

Aikido-Techniken

In den Aikido-Techniken kommen die Elemente zur Anwendung und die Prinzipien zum Ausdruck. Waza bedeutet Methode, Technik, Kunstfertigkeit und bezeichnet eine Gruppe von Techniken und damit eine Teilmenge des Lehrsystems.

Grundtechniken

Ukemi-waza 受け身技 (Ukemi: "mit dem Körper aufnehmen") bezeichnet die Methoden des Abrollens und Fallens:

  • Ushiro-ukemi 後ろ受身 – Rückwärtsrolle

  • Mae-ukemi 前受身 – Vorwärtsrolle

  • Yoko-ukemi 横受身 - seitlicher Fall

  • Tobi-ukemi 飛び受け身 - freier Fall mit Überschlag ohne Bodenkontakt

Neben diesen Grundformen gibt es noch einige weitere Formen, um koordiniert den Impuls abzufangen, wenn der eigene Körper zu Boden geht. Wichtig beim Lernen der Fallschule ist nicht nur, sich zu schützen und sich nicht zu verletzen, sondern auch hier geht es deutlich darum, sich koordiniert zu bewegen. Daher ist eine saubere Ausführung der Bewegungen sehr wichtig.

Am Anfang der Fallschule ist die dafür benötigte Muskulatur oft noch nicht sehr ausgebildet. Daher ist insbesondere Neuanfangenden eine sehr saubere Bewegungsgrundschule nahezubringen, die ihren Körper schützt und Verletzungsgefahren vermeidet. Auch Körperglieder, die zunächst nichts mit der Bewegung zu tun zu haben scheinen (beispielsweise die Arme bei der Rückwärtsrolle), haben ihre definierten Positionen während der Bewegung, um das Gesamtgefüge zu unterstützen.

Nage-waza 投げ技 bezeichnet die Gruppe der Würfe, d.h. der Techniken, bei denen Uke in einen Fall geführt wird. Am Ende der Ausführung befindet sich Nage zumeist in einer stehenden Position, weswegen man auch die Bezeichnung „Standtechniken“ findet.

Die meisten Techniken dieser Gruppe enden mit der Bezeichnung Nage, was eben Wurf oder werfen bedeutet. Interessant ist, dass auch Techniken mit der Bezeichnung Otoshi 落とし, was „fallen lassen“ (also nicht aktives Werfen) bedeutet. Otoshi kommt auch in anderen Begriffen vor; Otoshi-mono 落とし物 bezeichnet beispielsweise verlorene Gegenstände, was die Absichtslosigkeit im Vergleich zu einer aktiven (Wurf-)Handlung unterstreicht.

Katame-waza 固め技 bezeichnet die Gruppe der Techniken im Aikido, bei denen Uke ohne Wurf zur Aufgabe geführt wird. Dabei werden die Gelenke blockiert, verdreht oder verhebelt sowie mitunter Nervendruckpunkte stimuliert. Am Ende der Ausführung befindet sich Nage zumeist im Kniesitz, weswegen man auch die Bezeichnung „Bodentechniken“ findet.

Bei Shiho-nage und insbesondere Kote-gaeshi kann sich an den Wurf eine Verhebelung anschließen. Dennoch hat sich bei beiden eine primäre Zuordnung zu Nage-waza durchgesetzt, da die Katame-waza ohne Wurfelemente sind, auch wenn sie in Variationen in einen Wurf geführt werden können.

Aufbauende Übungsformen

Die in den Grundtechniken erlernten Bewegungsformen bilden die Basis für darauf aufbauende Übungsformen, in denen die Grundtechniken zur Anwendung kommen.

Hanmi-hantachi-waza 半身半立ち技 bezeichnet Techniken, bei denen sich Nage im Kniesitz befindet und sich mittels Shikko bewegt, während Uke stehend angreift. Man findet auch die Schreibung Hanmi-handachi-waza. Gebräuchlich ist auch die verkürzende Nutzung von „Hanmi-hantachi“ für diese Art des Übens.

Hanmi bedeutet "halber Körper", Hantachi bedeutet "halb stehen". Im Daito-ryu und einigen Aikido-Richtungen, die sich früh vom heutigen Aikikai gelöst haben, heißen diese Formen Hanza-hantachi-waza. Hanza 半座 bedeutet dabei "halb sitzen".

Suwari-waza 座り技 bezeichnet Techniken, bei denen sich die Beteiligten im Kniesitz befinden und bewegen. Suwari-waza stellt dabei hohe Anforderungen an ein gutes Ukemi. Suwari bedeutet Sitzen.

Kaeshi-waza 返し技 (Konter-Techniken) sind Übungsformen, bei denen der Uke eine Lücke in der Ausführung der Technik von Nage nutzt, um die Rollen zu tauschen und dann als Nage selbst eine Technik auszuführen.

Renzoku-waza 連続技 sind Techniken, bei denen Nage aus der Ausführung einer Technik in die Ausführung der nächsten Technik übergeht. Renzoku bedeutet Fortsetzung oder Aufeinanderfolge.

Kaeshi-waza und Renzoku-waza werden im DAB (aus historischen Gründen leider unscharf) zusammen unter der Bezeichnung Verkettungen unterrichtet.

Morote-waza 諸手技 sind Übungsformen mit mehreren Angreifern. Morote bedeutet "beide Hände". Bei den Übungsformen wird meist eine Hand von je einem Angreifer gefasst, so dass beide Hände ergriffen werden.

Buki-waza 武器技 sind Techniken mit Waffen. Im Lehrstoff des DAB sind Techniken mit/gegen Jo (Stab), Tanto 短刀 (Messer) und Ken (Schwert) in den Prüfungsprogrammen für Dan-Grade vorgesehen.

Kata bedeutet Form oder Muster. Es handelt sich um eine feste Abfolge von Techniken, die in einer bestimmten formalen Ausführung vorzuführen sind. Es gibt Formen mit Uke (Sotai-kata 相対形) und in einigen Aikido-Richtungen auch Waffen-Formen ohne Uke. Bei den Formen mit Uke sind auch dessen Bewegungen genau vorgegeben. Dabei ist darauf zu achten, dass die Dynamik der Bewegung nicht in einer Choreographie verloren geht.

Die in einer Kata vermittelten Prinzipien gehen durch die stetige Wiederholung des genau gleichen Musters "in Fleisch und Blut" über. Dieser wesentliche Erkenntnisgewinn landet also auf einer Ebene unterhalb des Bewusstseins, was die Ausstrahlung des Gelernten auf die Technikausführung auch außerhalb der Kata erklärt.

In vielen Aikido-Richtungen sind diese Partner-Kata nicht bekannt. Die ersten beiden der derzeit vier im DAB unterrichteten Kata gehen zurück auf Tadashi Abe. Die dritte Kata wurde von der Technischen Kommission des DAB konzipiert. Die vierte Kata war früher die dritte Kata und wurde von Rolf Brand entwickelt.

  • Erste Kata: Katame-waza im Stand

  • Zweite Kata: Katame-waza im Kniesitz

  • Dritte Kata: Nage-waza im Stand

  • Vierte Kata: Nage- und Katame-waza gegen Angriffe ohne und mit Waffen

Auch die Ausführungen einer bestimmten Technik aus einem bestimmten Angriff in einer bestimmten Form kann als Kata verstanden werden und wird in einigen Aikido-Richtungen auch so bezeichnet. Diese unterschiedliche Interpretation des Begriffes kann mitunter zu Missverständnissen führen.

Jiyu-waza 自由技 bedeutet freie Technik, gemeint ist eine wahlfreie Abfolge von Techniken. Ein oder mehrere Uke greifen dabei Nage beliebig an. Eine Sonderform ist das Randori 乱取 (wörtlich etwa „Unordnung aufnehmen“), bei dem ein Angriff vorgegeben wird.

Aikido-Techniken können (nicht nur bei Jiyu-waza/Randori) entsprechend dem Entwicklungsstand der Übenden unterschiedlich intensiv und fokussiert ausgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass einer Erhöhung von Dynamik und Geschwindigkeit unabdingbar eine starke Verinnerlichung der Präzision der Bewegungen vorausgehen muss.

Als Hinführung zum Üben findet man folgende Abstufungen in der Systematik des DAB:

  • Ju-no-geiko 柔の稽古
    Ju-no-geiko bedeutet weiches, geschmeidiges Üben. Uke greift so an, dass Nage weich durch alle Bewegungsabläufe gehen kann. Bei Ju-no-geiko handelt es sich um eine Vorstufe zum Lernen der Bewegungsabläufe von Nage und Uke in der Grundstufe der ersten Jahre.

  • Kakari-geiko 懸かり稽古
    Kakari bedeutet ernsthaft angreifen. Uke legt stärkere Dynamik in seinen Angriff, so dass Nage schneller und kürzer reagieren muss. Angriff und Abwehr werden dabei deutlich fokussierter. Nage muss jedoch darauf achten, trotz der Komprimierung der Abläufe nicht härter zu werden.

Dabei bezeichnet Keiko 稽古 bzw. Geiko (der Laut liegt zwischen G und K und wird unterschiedlich transliteriert) das Training an sich. Es setzt sich zusammen aus den Kanji für denken, überlegen und alt, alt werden. Es bezeichnet daher einen Reifungsprozess durch langfristiges Üben und Reflexion.

Genri 原理 – grundlegende Prinzipien

Ai

Ai bedeutet übersetzt „genau passend“ oder „anpassen“. „Harmonie“ ist bereits eine abgeleitete Bedeutung und sollte nicht überstrapaziert werden: Gemeint ist nicht „alle sind nett zueinander“, sondern ein genaues Zusammenpassen wie bei einem maßgeschneiderten Kleidungsstück, dass sich dem Körper perfekt anpasst, so dass man es beim Tragen kaum bemerkt, oder wie bei der perfekt aufeinander abgestimmten Mechanik eines Uhrwerks.

Das Zeichen Ai setzt sich aus drei Teilen zusammen. Für den obersten Teil findet man verschiedene Deutungen: Hito und iru . Hito bedeutet Mensch, Person, Leute. Iru bedeutet hineingehen, betreten, hereinkommen (vergleiche Irimi). In beiden Fällen stellt das Zeichen einen Menschen dar, der sich bewegt (also: lebt). Das Zeichen Ichi ist die Zahl Eins. Das Zeichen Kuchi bedeutet Mund. Es stellt sowohl Abgrenzung von als auch Übergang zwischen Innen und Außen dar. Der Mund bringt sowohl Nahrung nach innen als auch Gedanken nach außen, kann aber auch geschlossen sein. Das Zeichen Ai lässt sich also dahingehend interpretieren, dass es einen Menschen darstellt, bei dem Inneres und Äußeres eins sind, genau passen.

Im Aikido findet sich Ai als Prinzip auf mehreren Ebenen.

Bei den Aspekten von Körperhaltung und Körperbewegung (vergl. Elemente) lernt man zunächst Haltungen und Bewegungen, die ohne besondere Anspannung eingenommen bzw. ausgeführt werden können, d.h. der Körper lernt Ai zunächst dahingehend, in sich stimmig und passend und im Gleichgewicht zu agieren.

Diese körperliche Stimmigkeit bildet die Grundlage für Ai als auch geistige Stimmigkeit, ein inneres Gleichgewicht und daraus resultierende Gelassenheit, die es erlaubt, in einer Angriffssituation spontan und intuitiv zu handeln, die Angriffe gar vorauszuahnen (Antizipation), und genau passend und angemessen zu handeln, so dass ein Angriff womöglich gar nicht erst entsteht.

In der körperlichen Interaktion der Techniken drückt sich Ai dadurch aus, dass eine Angriffsbewegung nicht blockiert wird, sondern die Bewegung durch Nage wie durch ein genau passendes Zahnrad im Uhrwerk aufgenommen (und danach umgelenkt, was im Uhrwerk dann so nicht erfolgt) wird. Uke wird dadurch kontrolliert, dass Nage sich zunächst ideal anpasst und damit die Kontrolle über die Gesamtbewegung übernimmt.

Oft ist zu finden, dass Ai mit Liebe zu übersetzen sei, was aber so nicht korrekt ist. Das Missverständnis geht auf eine Aussage von Morihei Ueshiba zurück, dass er sich unter anderem deshalb entschlossen habe, seine Kampfkunst Aikido zu nennen, weil genauso ausgesprochen wird wie , was eben „Liebe“ bedeutet. Aufgegriffen wird dies in einer Analyse des Schriftsatzes, mit dem Kisshomaru Ueshiba für den Aikikai nach Kriegsende beantragte, die Anerkennung als Non-Profit-Organisation wiederzuerlangen, da dieser Status erhebliche steuerliche Vorteile mit sich bringt:

The syllable ai in ‘aikido' is usually written with the Chinese character [matching, fitting, as, for example, in clothes fitting the person]; the same sound can also be written with the character [love], which, of course, has a completely different meaning. In the letter, there is an explicit mention of the fact that ‘aiki' [合気] sounds just like ‘aiki' [愛気] and also a claim that the meanings are actually connected. As a language, Japanese has a great affinity for homonymy (same sounds), but the counterpart, polysemy (connected meanings), is something that needs to be argued: it cannot be taken for granted.“ (Quelle)

Die Silbe Ai in ‚Aikido‘ wird üblicherweise mit dem chinesischen Zeichen [übereinstimmen, passen, so wie beispielsweise bei Kleidung, die einer Person passt]; der gleiche Laut kann auch mit dem Zeichen [Liebe] geschrieben werden. In dem Schreiben wird explizit die Tatsache erwähnt, dass ‚Aiki‘ [合気] ebenso klingt wie ‚Aiki‘ [愛気], und die Behauptung, dass die Bedeutungen eigentlich miteinander verbunden sind. Japanisch hat als Sprache eine hohe Affinität für Homonymie (gleiche Laute), aber das Gegenstück, Polysemie (verbundene Bedeutungen), ist etwas, dass argumentiert werden muss: Es kann nicht als gegeben genommen werden.

Ein verdeutlichendes Beispiel im Deutschen sind die insbesondere bei Kindern beliebten Teekesselchen-Wörter: Dass Kiefer (Baum) und Kiefer (Knochen) aufgrund ihres Gleichklanges auch inhaltlich miteinander in Beziehung stehen könnten, ist ausgesprochen fernliegend wie unsinnig.

Falls Ai Liebe bedeuten würde, wäre Ueshibas Aussage hinsichtlich des Gleichklanges und der bewusst gewählten Konnotation mit Ai zudem obsolet. Seine gewählte Hinzunahme von „Liebe“ als Zusatzbedeutung, die den Charakter des Aikido weiter weggeführt hat von der ursprünglich deutlich härteren Kampfkunst der Daito-ryu unter Sokaku Takeda, findet ihre erste deutliche Erwähnung 1925, als Morihei nach einem Duell mit einem Marine-Offzier folgende Erkenntnis formulierte:

「武道の根源は神の愛であり、万有愛護の精神である。」
Die Quelle des Budo ist die Liebe der Naturgottheiten - der Geist des liebevollen Schutzes für alle Dinge!

In der Folge begann er, sein Budo umzustrukturieren. Ursprünglich tödliche Techniken wurden entschärft. Der Gedanke des „liebevollen Schutzes“ hielt Einzug auch in die Ausgestaltung der Formen, die er vermittelte. Elemente, die ein Verletzen oder gar Zerstören des Angreifers zur Folge hatten, wurden abgewandelt oder entfernt. In seinem ersten Buch „Budo Renshu“ schreibt er:

True Budo is done for the sake of "building peace". Train every day so as to make peace between this spirit [Budo] and all things manifested on the face of the Earth.“

Wahres Budo dient dazu, Frieden zu etablieren. Übt jeden Tag, um Frieden zwischen dem Geist des Budo und allen Dingen auf der Erde zu erschaffen.

Die „genau passende“ Technikausführung hatte so nicht mehr nur den Aspekt, eine möglichst hohe Effizienz, d.h. das Erzielen größtmöglicher Wirkung bei geringstmöglichem Aufwand, zu erzielen, sondern erhielt zusätzlich das, was hierzulande als Verhältnismäßigkeit der Mittel bekannt ist – eine auch rechtlich und ethisch angemessene Reaktion auf Angriffe, die das gebotene Mindestmaß an Abwehr eben nicht überschreitet. Dieser Aspekt von Ai soll sich auch im Kokoro niederschlagen. Kokoro bedeutet Geist/Seele/Verstand/Wesen und wird auch mit Sprache des Herzens gedeutet, die nicht nur bei der Auseinandersetzung mit technischen Angriffen sondern auch im sozialen Verhalten zum Ausdruck kommt. Hier ist beispielsweise eine Betonung von Individualismus beim Aikido-Lernen kontraproduktiv, vielmehr ist ein selbstloses Sich-Einfügen und konstruktives Einbringen in die soziale Gemeinschaft (z.B. im Dojo oder Verein) sinnvoll, um ein harmonisches Miteinander zu erlauben.

Ki

Ki bzw. ist ein Wort mit sehr vielschichtiger Bedeutung und wird in Aikido-Kontexten meist mit „Energie“ oder „Lebensenergie“ übersetzt.

Als Schriftzeichen für Ki kann man sowohl als auch finden, wobei die vereinfachte und aktuell verwendete japanische Form des ursprünglichen chinesischen Zeichens ist. Das Zeichen setzt sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich Ki und Kome . Ki bedeutet Gas, Luft, Temperament, Wesen, Wolke. Mit etwas Phantasie erkennt man im Zeichen Wolken und einen Blitz. Kome bedeutet Reis; im Zeichen erkennt man eine Pflanze, die im Erdboden Wurzeln und über dem Erdboden Triebe/Früchte besitzt.

In Nachschlagewerken findet man eine Vielzahl an Übersetzungen und Bedeutungen für Ki:
Absicht | Atem | Atmosphäre, Luft | Aufmerksamkeit, Sorge | Bewusstsein, Geist, Seele | Charakter, Natur, Temperament | Gefühl, Stimmung | Wesen | Begeisterung | Eifer | Wille | Interesse | Anteilnahme | Gemüt, Gemütsbewegung | Gefühl | Emotion | Besinnung | Teilnahme | Besorgnis | Geisteskraft | Willenskraft | Lebenskraft | Geruch | Geschmack | Stimmung | Absicht, Intention

Dies muss sich nicht unbedingt auf einen Menschen beziehen, auch Tiere, Pflanzen, Dinge oder Naturphänomene wie das Wetter können – dem entsprechenden Weltbild nach – Ki haben oder Ausdruck davon sein. Ki bezeichnet das, was etwas oder jemanden ausmacht, und sich nicht konkret beschreiben lässt. Bezogen auf Menschen hat es sowohl intellektuelle wie emotionale Aspekte und je nach Kontext auch im Japanischen sehr unterschiedliche Bedeutungen.

Im prärationalen asiatischen Weltbild wird Ki als Energie betrachtet, die im Menschen (und darüber hinaus im gesamten Universum) fließt. Auch in den Heilpraktiken aus dieser Zeit kommt diese Sichtweise zum Tragen: Krankheiten werden als Störungen im Ki-Fluss betrachtet. Für die meisten dieser Heilpraktiken lassen sich grundsätzlich keine anderen als Placebo-Effekte nachweisen, d.h. sie haben keine direkt auf die Existenz von Ki zurückzuführende Wirkung.

Ausnahmen: In der chinesischen Kräutermedizin kommen zum Teil Kräuter zum Einsatz, die auch nachweisbare Wirkstoffe enthalten. Bei der Akupunktur wird durch das Stechen mit Nadeln (analog bei der Moxa-Verbrennung) ein Schmerzreiz und damit eine körperliche Reaktion und Aktivierung des Immunsystems ausgelöst. Dafür ist allerdings irrelevant, ob die Nadeln entlang der sogenannten Meridiane gesetzt werden. Diese nachweisbaren medizinischen Effekte haben aber nichts mit der Modellvorstellung von Ki zu tun.

Insgesamt lassen sich keine objektiv prüfbaren Belege für die Existenz eines Ki-Flusses im menschlichen Körper oder darüber hinaus bzw. für die Existenz von Ki finden. Rückt man in der diffusen Bedeutung von Ki vom Bild des Flusses in Meridianen ab und betrachtet „ das, was etwas oder jemanden ausmacht, und sich nicht konkret beschreiben lässt“, so kann allenfalls der Placebo-Effekt an sich als Ausdruck von Ki betrachtet werden, was bei einer Betrachtung von Ki für das Aikido aber belanglos ist.

Im Aikido ist insofern der historische Kontext, in dem Morihei Ueshiba und seine technischen Vorfahren die die Begrifflichkeit erlernten und verwendeten, zu berücksichtigen. Als Modellvorstellung kann das Konzept von Ki im Aikido trotz aller Vorbehalte hilfreich sein, denn etwas, das fließt, hat eine Richtung. Richtung, Ausrichtung und Ausprägung von Aufmerksamkeit, Wille, Körperstruktur und Bewegungsenergie sind für die Ausführung des Aikido relevant. Die Frage der Existenz eines paranormalen Phänomens ist dies hingegen nicht.

Als Personen, die ein „starkes Ki“ haben, werden Personen beschrieben, die eine gewisse Ausstrahlung an den Tag legen. In diesem ahnlich diffusen Begriff sammelt sich eine Mischung aus Körpersprache, Mimik und anderen Aspekten der jeweiligen Persönlichkeit. Eine innere Ruhe und Gelassenheit, die auf Selbstsicherheit basieren, tragen dazu bei. Im Aikido wird diese Selbstsicherheit insbesondere von einer ausgeprägten Verinnerlichung der Elemente und Grundtechniken getragen. Sind diese zu spontan und intuitiv anwendbaren Kompetenzen erarbeitet worden, resultiert daraus eine Klarheit von körperlicher Bewegung und geistiger Leere, d.h. Freiheit von der Notwendigkeit absichtsvoller Planung eventueller Handlungen.

Ki drückt sich insofern in der Technik dahingehend aus, dass eine stabile und saubere technische Basis als solche klar erkennbar ist: Einer Person, die Aikido-Techniken mit Ki ausführt, sieht man an, dass sie frei davon ist, darüber nachzudenken, was sie da gerade macht. Eine solche technische Ausführung ist frei von überflüssigen Bewegungen oder Brüchen im Bewegungsfluss. Aikidoka, die dies beherrschen, haben dabei in der Regel auch außerhalb der Matte eine wahrnehmbare Präsenz.

Während Kokyu-ryoku (s.o.) also in erster Linie einen körperlichen Effekt beschreibt, beschreibt Ki eher nicht-körperliche Aspekte bei der Anwendung von Aikido auf und neben der Matte.

Aiki

Die Kombination mehrerer Schriftzeichen führt im Japanischen oft dazu, dass diese „Summe“ eine etwas andere Bedeutung erhält als nur die Einzelbedeutungen nebeneinander. Aiki 合氣 bedeutet insofern auch mehr als Ai, Ki. Nimmt man die Einzelbedeutungen, erhält man etwas wie „genau passend koordinierte Energie“. Das ist schon ein guter Ansatz, Aiki kann aber mit „verschmelzen“ noch eine Bedeutung haben, die sich nicht direkt aus den Einzelbedeutungen ergibt.

Zudem ist Takemusu 武産 bzw. Takemusu Aiki ein von Morihei Ueshiba geprägter Begriff für eine vollumfängliche Verinnerlichung des Aikido, aus der heraus spontan und intuitiv dessen Prinzipien entsprechende Bewegungen entstehen und so Aikido frei von technischen Formen werden lässt. Diese Fähigkeit ist dabei das Ergebnis intensiven Trainings über mehrere Jahrzehnte, bei dem klare Formen angeeignet, ergründet und schließlich überwunden werden.

Take ist eine andere Lesung des Kanji Bu wie in Budo oder Bujutsu. Es bezeichnet einen Zusammenhang mit Militär bzw. Kampftechnik. Musu bedeutet Entstehung oder Kreation, wird in Kombination mit anderen Zeichen auch verwendet, um den Zeitpunkt einer Geburt anzuzeigen. Takemusu lässt sich insofern ungefähr als spontane Geburt einer Kampftechnik übersetzen bzw. deuten.

Interessanterweise wird im Daito-ryu vornehmlich von Aiki gesprochen. Es gibt diverse Übungen, die die Fähigkeit zu Aiki ausbilden sollen. Auch Morihei Ueshiba sprach bis zu seinem Tod davon. Die getrennte Betrachtung von Ai und Ki fand erst um 1960 herum Verbreitung, als Koichi Tohei zunehmend an Einfluss im Aikikai gewann, der seine persönliche Vorstellung von Ki extrem betonte.

Mit Aiki ist im Daito-ryu und einigen Aikido-Richtungen die Fertigkeit gemeint, im Moment des Erstkontaktes von Uke und Nage durch körperinterne Koordination Ukes Zentrum einzunehmen und zu kontrollieren. Die innere körperliche Stimmigkeit von Nage wird also von seiner eigenen Bewegung auf die gemeinsame Bewegung mit Uke übertragen, um so Kontakt (Musubi 結び) zu dessen Zentrum und damit Führung zu etablieren. Nage verschmilzt – Aiki – seine Bewegung mit der von Uke und koordiniert und steuert diesen dann aus dem eigenen Zentrum mit.

Do

Do (andere Lesung: Michi) bedeutet übersetzt Weg, Methode, Prinzip.

Das Schriftzeichen setzt sich zusammen aus zwei Teilen: (vereinfacht zu , manchmal auch ) bedeutet gehen/laufen, fließen, sich entwickeln. Kubi bedeutet Kopf, Haupt, Hals, in der Wortherkunft auch Oberhaupt einer Gruppe. Do ist insofern das einer Bewegung oder Entwicklung zugrunde liegende Haupt-Prinzip, das Primat einer Idee.

Do bedeutet für den technischen Aspekt des Aiki-Do, dass alle ausgeführten Aktionen einem bestimmten gemeinsamen Prinzip – Aiki oder Ai, Ki, je nach Ausrichtung – entsprechen. Insofern ist Aikido nicht dahingehend zielorientiert, dass es in erster Linie darum geht, einen Angreifer zu überwinden. Entscheidend ist vielmehr, dass die Bewegungen den Aikido-Prinzipien entsprechen.

Bezeichnend für Do ist zudem der Gedanke, dass man sich immer wieder neu mit den gleichen Aufgabenstellungen auseinandersetzt und diese immer weiter in die Tiefe ergründet. Jede Ausführung einer Technik ist ein praktisches Experiment, dessen Ablauf in die Durchführung der Folgeexperimente, der nächsten Technikausführungen, einfließt. Damit unterscheidet sich Aikido auch grundlegend vom Konstrukt einer Philosophie, in der das Nachdenken über und die intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Themenfeld im Vordergrund stehen. Aufgrund dieser Freiheit von Gedanken (die zugegeben einige Jahre intensiven Trainings erfordert) wird Aikido mitunter auch als „Meditation in Bewegung“ bezeichnet. Diese Verinnerlichung von Bewegungs- und Verhaltensmustern auf einer Ebene unterhalb des Intellekts soll eine intuitive Anwendung auf nicht-körperliche Begegnungen ermöglichen – die Übertragung der Aikido-Prinzipien von der körperlichen Technik zu einem Verhaltensprinzip im täglichen Leben.

Irimi und Tenkan, Omote und Ura

Irimi 入り身 und Tenkan 転換 sind die beiden grundlegenden Prinzipien im Aikido, um auf einen Angriff zu reagieren und Führung zu erlangen bzw. Techniken auszuführen.

Irimi heißt "in den Körper eintreten". Bei Irimi wird durch eine direkte Bewegung in Position, Haltung und Struktur von Uke ein Zentrumskontakt aufgebaut und die Führung übernommen.

Tenkan heißt "umdrehen, wandeln". Bei Tenkan dreht man sich um den Impuls von Uke herum, um diesen aufzunehmen und so Zentrumskontakt und Führung herzustellen.

Irimi und Tenkan dienen so zur Aufhebung der Gegensätze, die bei einer Angriffssituation zwangsläufig auftreten. Durch stetige Wiederholung und Verinnerlichung soll das jeweils genau passende Prinzip zur Anwendung kommen und der genau richtige Augenblick für deren Einsatz erkannt werden.

Die meisten Aikido-Grundtechniken gibt es in Irimi- und Tenkan-Varianten. Je nachdem, ob man am Ende einen direkten Impuls nach vorn gibt oder den Weg freigibt, damit Uke aus der eigenen Bewegung heraus die Balance endgültig verliert, wird die Ausführungsart entsprechend bezeichnet.

Statt Irimi und Tenkan sind in einigen Dojo Omote und Ura als Bezeichnungen dafür gebräuchlich. Omote bedeutet, dass Nage sich im Blickfeld von Uke vor dessen Körper befindet, Ura bedeutet, dass Nage sich außerhalb des Blickfeldes von Uke hinter diesem befindet. Omote und Ura bezeichnen hier also die relative Position zu Uke, Irimi und Tenkan die relative Bewegung.

Omote bedeutet wörtlich Oberfläche, Vorderseite, Front, Fassade, Oberseite, Außenseite, draußen, im Freien. Ura bedeutet wörtlich Rückseite, Kehrseite, innere Seite, Hinterseite, verborgene Seite, verborgene Bedeutung. Das Begriffspaar geht angeblich zurück auf das Fell eines Tieres, das sowohl eine behaarte Außenseite hat als eben auch eine Innenseite, die man zunächst nicht sehen kann.

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