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Interview mit Kieler Aikido-Lehrer


Der Bokuto Workshop Kiel hat anscheinend einige Aufmerksamkeit erregt, was wir an Zugriffszahlen und eintrudelnden Nachfragen bemerken. Henry Krasemann, der unter dem Pseudonym Caulius den Kieler Podcast KielPod produziert, hat die Berichterstattung über den Workshop zum Anlass genommen, ein Interview mit Markus Hansen aufzunehmen, in dem es um Aikido und eben insbesondere auch um den Bokuto Workshop geht. Durch Klick auf den Play-Button kann man sich das Interview direkt anhören, der Link darunter führt zur KielPod-Web-Seite.

Für alle, die lieber lesen, hier ein Transkript des Interviews:

Wer vor einigen Tagen am Strand war, und das auch noch relativ früh, der könnte gegebenenfalls auf ein paar Erwachsene gestoßen sein, die sich mit Holzschwertern gegenseitig bekämpften. Oder zumindest so taten. Hierbei handelt es sich sogar um eine Sportart, wobei diese Sportart normalerweise ohne die Schwerter betrieben wird. Das ganze nennt sich Aikido und ich hatte die Möglichkeit, mit einem Aikido-Lehrer aus Kiel, nämlich mit Markus Hansen, darüber zu sprechen, was sich dahinter verbirgt.

Bei mir ist jetzt Markus Hansen und er ist Aikido-Lehrer in Kiel. Erstmal: Was ist Aikido?

Aikido ist eine japanische Kampfkunst, die sich von den Samurai ableitet, die im Laufe der Jahre allerdings einen anderen Fokus bekommen hat. Bei den Samurai ging es noch darum, möglichst effektiv zu töten, bei uns geht es mehr darum, wie man sich selbst bewegt, wie man sich mit anderen bewegt. Das heißt der Kampf-Aspekt geht etwas zurück und es geht mehr darum, Körperbeherrschung zu erlangen.

Es gibt ja eine ganze Reihe asiatischer Kampfsportarten, das berühmteste ist ja Karate wahrscheinlich, und es gibt auch noch ein paar andere Sachen. Was unterscheidet nun Aikido von diesen anderen?

Wenn man von außen drauf guckt, sieht Aikido eher aus wie Tanzen, weil die Bewegungen sehr weich und rund sind, während Karate sehr geradlinig zum Beispiel ist. Ansonsten: Wenn man das länger macht, stellt man fest, dass es da sehr viele Gemeinsamkeiten gibt, dass es eben überall darum geht, "hinter das Kämpfen" zu gelangen. Die körperliche Auseinandersetzung steht irgendwann nicht mehr im Vordergrund, sondern das Bewegen an sich, das Lernen der Sachen.

Gibt es denn bei Euch auch sowas wie Gürtel oder was, wo man sagt, oh ja, jetzt habe ich schon diese und jene Stufe oder dies Handycap oder wie wird das bei Aikido genannt?

Es gibt Graduierungen, das heißt es gibt Prüfungen, die man macht, wo man sich selbst rückversichern lassen kann von seinem Lehrer oder von demjenigen, der dort die Prüfung abnimmt, dass man eine bestimmte Fähigkeitsstufe erreicht hat. Die nennen wir Graduierungen. Und was ist Deine? Ich bin 4. Dan Aikido.

Und das ist schon kurz vor Gott?

(lacht) Also, Gott stelle ich sowieso in Zweifel, aber es ist die vorletzte technische Prüfung, die man bei uns ablegen kann.

Wann kommt die letzte bei Dir?

Wenn ich das Mindestalter von 40 Jahren erreicht habe.

Ach so. Und dann bist Du aber so ein grauer weißer Herr, der dann in Spielfilmen irgendwelchen Jungspunden zeigt, wie man sauber mal so einen Schulkonflikt austrägt?

Also, das mit "grau", muss ich mal schauen, einige fallen auch einfach aus vorher. Auch ich habe als Jugendlicher Karate Kid gesehen und kann mich für diese Sachen begeistern, äh, mich selbst sehe ich da nicht so ganz drin.

Wieviele Leute machen Aikido hier in Kiel?

Das weiß ich nicht genau. Es gibt insgesamt 10 oder 11 Vereine, in unserem Verein sind wir so bummelig 30 Leute.

11 Vereine Aikido hier in Kiel? Wow! Ist das ungewöhnlich oder gibt's das überall und man bekommt's nicht mit?

Also, in Hamburg findet man mehr, in Hohenwestedt ist nur einer, das hängt auch ein bißchen von der Umgebung ab. Ich glaube, für Kiel ist es relativ viel.

Und ich hatte jetzt, deswegen kam ich nämlich auch auf Dich, nämlich gesehen, ihr habt vor ein paar Tagen oder jetzt ja schon zwei Wochen am Strand in Falckenstein gekämpft, und zwar mit Schwertern. Klingt irgendwie nach einem Kinderspiel.

Also wir hatten jedenfalls 'ne Menge Spaß dabei. Hintergrund war, dass wir diese Holzschwerter vorher selbst gebaut haben. Ich schreibe ein Blog im Internet und habe dort berichtet, dass ich mir selber mal eins gebaut habe. Und dann haben mich sehr viele Leute, naja, sehr viele, einige doch drauf angesprochen, Mensch, wie machst Du das genau? Worauf musst Du achten, welches Holz, welches Werkzeug, bla bla bla ... Und letztlich haben sie mich dann dazu überredet, dass wir bei uns zu Hause, bei uns im Garten, da haben einige Leute dann gezeltet, so einen Workshop machen, wo wir eben einen Tag uns selbst diese Holzschwerter, die Bokken / Bokuto, gebaut haben und wo wir dann am nächsten Tag, ja, mit diesen Schwertern an den Strand gegangen sind, dort ein Training gemacht haben. Wir haben das recht früh gemacht, damit nicht zu viele Leute dumm gucken.

Aber haben welche geguckt? Gab's Zuschauer?

Ja, ein paar gab's, kamen auch ein paar von der Wasserwacht vorbei, die haben sich, glaube ich, gewundert, die sind da sonst anderes gewohnt.

Aber Verletzungen gab es da nicht wahrscheinlich?

Nein.

Ist es überhaupt bei diesem Sport so, dass man eher mit Verletzungen auch zu kämpfen hat? Kampfsport ist ja immer sowas, wo man sich gut schützen muss, aber dann trotzdem mal was weh tut. Oder geht das bei Aikido?

Es ist jetzt schon über 10 Jahre her, aber wir waren mal sehr stolz, als wir in der Verletzungs-, also in der Sportunfallstatistik des Landessportverbandes hinter Schach waren.

Cool. Ich glaube das unangenehmste, was man machen kann oder wo die meisten Verletzungen sind, ist Cheerleading. Da seid ihr dann wahrscheinlich weit weg von.

Ich trage zwar auch einen traditionellen Rock dabei, aber ganz ehrlich: Mich möchtest Du als Cheerleader auch nicht haben.

Wenn man jetzt hier hört, oh ja, sowas möcht ich selbst mal machen oder könnt ja was für mein Kind sein, die Schule wird ja immer härter, wo kann man sich hinwenden?

Also für "Schule immer härter" bin ich mir nicht sicher, dass wir da die Richtigen sind. Wir bieten an Aikido-Training für Erwachsene, für Jugendliche und für Kinder ab 10 Jahren. Und unter www.aikido-kiel.de findet man unsere Trainingszeiten und auch weitere Informationen über uns.

Und habt Ihr viele Jugendgruppen, also, gibt's das oder ist das doch eher was für Erwachsene?

Wir haben, ich glaube die Hälfte unserer Mitglieder auf Landesebene, jetzt im Landesverband, sind Jugendliche, wobei die Definition da, glaube ich, bis 21 oder 27 Jahre geht, aber wir haben einen hohen Anteil an Jugendlichen und auch an weiblichen Mitgliedern. Ja, bei uns hier in Kiel, wir haben zweimal die Woche Training für Jugendliche und wir haben auch zweimal die Woche Training für Erwachsene.

Gibt's auch mal was, was man sich - außer wenn Ihr jetzt grad in Falckenstein mit Schwertern kämpft - irgendwas, wo man mal zugucken kann? Also, gibt es Turniere hier zum Beispiel oder Schaukämpfe?

Aikido ist ohne Wettkämpfe, weil es rein defensiv ist. Bei diesen Wettkämpfen würden dann beide sich gegenüberstehen, warten, dass der andere angreift. Das dauert dann recht lange, bis einer pinkeln muss. Wir machen Fortbildungsveranstaltungen, wir machen Lehrgänge, wir laden uns Leute ein. Der nächste Lehrgang, den wir machen, ist am 23. Oktober in der Gymnastikhalle vom Uni-Sportforum. Da machen wir unseren traditionellen Schietwetter-Lehrgang. Letztes Jahr hatten wir strahlenden Sonnenschein, obwohl mir mit Regenschirmen dann auf der Matte gearbeitet haben. In diesem Jahr wollen wir uns Aikido-Techniken mit Handtüchern anschauen.

Was heißt das? Also, ihr trocknet Euch ab oder vertrimmt Euch mit Handtüchern?

Also nach dem Training duschen wir, dann werden wir uns danach auch abtrocknen, denk ich jedenfalls, aber wir wollen mit Handtüchern auf die Matte und wollen Handtücher als Waffe benutzen, um sich damit zu verteidigen.

Dann ist aber doch schon einer der dann auch mal ausgelost wird, der dann auch mal angreift? Weil auch dann würde ja das Verteidigen irgendwie blöd sein, wenn keiner angreift

Ja natürlich - das normale Training bei uns ist im Prinzip eine Art Rollenspiel. Das heißt: Eine Person greift an, führt den Angriff aus, und die andere Person nutzt diesen Angriff, um, ja, die eigene Aikido-Bewegung auszuführen. Es geht im Aikido darm, die Angriffsenergie, die einem entgegen kommt, zu benutzen, die weiterzuführen, umzulenken, so dass man nicht unbedingt körperlich stärker sein muss, um jemanden zu überwinden. Und in dieser Trainingsituation ist es dann so, dass man sich gegenseitig versucht, so viel Herausforderung zu geben, dass der andere eben noch was lernen kann, dass der nicht gelangweilt ist, aber eben sich auch nicht gegenseitig zu überfordern, um dadurch einen kontinuierlichen Lernprozess zu haben, da dran zu arbeiten. Das ist das, was oft mit "der Weg ist das Ziel" genannt wird, dass man eben stets etwas weiterlernen kann.

Klingt interessant. Ja, vielleicht kommen dann ja ein paar jetzt auch zu Euch. Wie ist Dein Blog, wenn man mal da ein bißchen auch von den Schwertkämpfern auch sich Fotos angucken möchte?

Ähm, die URL ist ein bißchen komplexer. Wenn man auf www.aiki.de geht, dann findet man dort Links zu meinem Blog und auch zu unseren Kieler Web-Seiten über Aikido.

Und ansonsten immer ein Handtuch dabei haben. Ich mein, das kennen wir ja schon von Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis, kann nie schaden. Und dann kriegen wir ja beim nächsten Mal dann auch mit, dass es auch tatsächlich nicht schadet.

Also, ich bin schwer versucht, mir dieses Handtuch mit der aufgestickten 42 extra für diesen Lehrgang zu beschaffen noch, ja.

Das war Markus Hansen, Aikido-Lehrer aus Kiel, und das war auch praktisch der KielPod für heute.