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Yudanshakai


Da sich in unserer Aikido-Gruppe inzwischen eine "kritische Masse" an Aikido-Danen angesammelt hat, hatte Markus die Idee, ein neues Trainingsformat zu testen: den Yudanshakai. Anders als im normalen Training für alle sollten wir Yudansha hier im Vorfeld die Lehrthemen auswählen. Schnell kristallisierte sich der Wunsch heraus, neben Messertechniken und etwas mehr Kakari-geiko auch Hanmi-hantachi näher zu erforschen. Die Hausaufgabe, sich mittels bereitgestellter Texte vorzubereiten, erledigten alle vorbildlich.

Nach dem Aufwärmen erläuterte Markus in einer kurzen Einführung woher diese seltsamen Techniken auf den Knien historisch eigentlich kommen und wie das Ganze grundsätzlich funktioniert.

Da die Theorie noch keinen guten Aikidoka hervorgebracht hat, konnten wir nun fleißig üben – jeder für sich und später anhand von Techniken in immer wechselnden Konstellationen. Spannend dabei war neben der ungewohnten Nage-Arbeit auch der wiederkehrende Aspekt des Ukemi, das eben nicht nur das „Rollen“ bezeichnet. So wie leichte Unpräzisionen von Nage beim Hanmi-Hantachi sofort sichtbar werden, so wird auch ein schlechtes Ukemi sofort sichtbar und verhindert die korrekte und sinnvolle Ausführung der Technik.

Nachdem uns allen langsam die Beine schwer wurden, gingen wir zur Abwehr von Messerangriffen, dem zweiten Wunschthema, über. Hierbei besonders spannend war der präzise Fokus auf die Zentrumsausrichtung. Habe ich bei einem Kote-gaeshi ohne Messer noch Spielraum, meine nicht ganz präzise Ausrichtung zu korrigieren, so fehlt mir der Spielraum, wenn ein Messer mit im Spiel ist. Gleichzeitig fungierte das Messer aber auch als ideale Visualisierung der Prinzipien. Ma-ai, Musubi und Co. sind halt nicht ungefähre Möglichkeiten, sondern grundlegend für eine gute Technikausführung.

Viel zu schnell war unser erster Yudanshakai wieder vorbei. Aufgrund der positiven Resonanz wird es jedoch sicher nicht das letzte Mal bleiben – momentan laufen die Planungen für ein regelmäßiges Format. Lieber Markus, danke für dieses (mal wieder) zusätzliche Training und die viele Zeit und Mühe, die du in unsere Ausbildung und die strukturierte Weitergabe deines Wissens investierst. Lieber Marco, danke, dass wir deine Hallenzeit und die Tatami mal wieder so unkompliziert nutzen durften.

Shodan für Bente


Am 14. Oktober legte Bente Albert in Hannover erfolgreich die Prüfung zum 1. Dan Aikido ab. Bei strahlender Herbstsonne sollte sie in der schönen Halle der SG Misburg zeigen, dass sich die monatelange Vorbereitung in ihrem Können niedergeschlagen hatte. Vor der Prüfung gab es noch einen kleinen Wiedersehensmoment: Bentes Eltern waren auch angereist und konnten nun ihren früheren Aikido-Lehrer Roland Nemitz, in dessen Dojo sie sich einst kennengelernt hatten, als Vorsitzenden der Prüfungskommission begrüßen.

Endlich ging es los, als erstes in die Überprüfung: Alle Techniken für alle Prüfungen, die Bente in den letzten Jahren bereits abgelegt hatte, wurden erneut abgerufen. Ihre beiden Uke Sandra und Markus flogen abwechselnd nach links und rechts durch den Raum. Als nächstes ging es in den schriftlichen Teil der Theorie-Prüfung. Nachdem Bente von dort zurück gekehrt war, hieß es warten, warten, warten, denn die Prüfungskommission - Roland Nemitz, Roger Zieger und Dirk Bender - prüfte erstmal die anderen Kandidaten in der Prüfungsgruppe. Endlich wurde Bente wieder aufgerufen. In einem mündlichen Vortrag musste sie das Prinzip Irimi erläutern.

Da die anderen Prüflinge schon mit allen Prüfungsfächern durch waren, ging es nun non-stop weiter. Bente führte mit Sandra die Kata Shodan vor, eine festgelegte Abfolge von zwanzig Formen, die nur geringe Freiheitsgrade in der Ausführung zulässt, so dass sehr genau gearbeitet werden muss. Kurz durchatmen, dann ging es auch schon weiter: Mit Sandra und Markus zeigte sie das Programm der Wurf- und Hebeltechniken. Wieder flogen die Uke über die Matte.

Eine kleine Atempause später kam schließlich das letzte Prüfungsfach an die Reihe: Bente musste sich den freien Angriffen von Markus stellen und diese durch Wurftechniken abwehren, bis die Prüfer schließlich das Stopsignal gaben und sie die Situation beendete und Markus mit einem Hebel am Boden fixierte.

Bei der Prüfung waren viele hochrangige Zuschauer anwesend, und deshalb sei noch freudig angemerkt, dass nach der Prüfung viel Lob an uns herangetragen wurde. Bente wurde für ihre schöne und dynamische Technikausführung gelobt. Und auch für das sehr gute Ukemi von Sandra, die die gleiche Prüfung erst Anfang des Jahres absolviert hatte, gab es immer wieder lobende Worte. Dem Vernehmen nach ist Lehrer Markus Hansen ein büschen stolz auf die beiden. ;o)

Vielen Dank an Sven, Chris und den Albert-Clan für das Bildmaterial.

Sommer, Sonne, S(tr)and und Ostsee


Am ersten September-Samstag trafen sich die Kieler Aikidoka bei bestem Wetter zum jährlichen Sommer-Highlight, dem Strandtraining an der Förde. Da ich an diesem Wochenende in Kiel zu Besuch war, durfte ich als Gast bei diesem Ereignis mit dabei sein. Nachdem sich alle bei Sandra in der Laube versammelt und herzlich begrüßt hatten, trabten wir voller Vorfreude zum Falkensteiner Strand. Bei einer traumhaften Kulisse und gespannt wie das Trainieren im Sand so ist bzw. wie es sich auf diesem mir noch unbekannten Boden rollt, begann der Kieler Aikido-Lehrer Markus Hansen das Training mit einem Kote-gaeshi.

Markus wies uns darauf hin, dass wir als Uke am Ende der Technik unseren Nage anschauen sollen, damit wir gut positioniert in die Vorwärtsrolle kommen. Nage sollte zudem den Wurf langsam und kontrolliert ausführen, damit damit sich alle erstmal an den Untergrund gewöhnen konnten.

Die folgende Lektion hatte ich sofort gelernt: Bei der Rolle vorwärts ist es deutlich besser, den Mund geschlossen zu halten, ansonsten ist man ständig am Sandkauen. Der Sandboden ist allerdings gar nicht so hart wie erwartet, dafür ist es aber umso anstrengender, wieder aufzustehen, da der Untergrund den ganzen Schwung aus der Rolle nimmt. Abklatschen mit der flachen Hand im Sand sollte man auch besser bleiben lassen.

Bei den nachfolgenden Techniken wie z.B. einem Kokyu-nage, bei dem wir darauf achten sollten, unsere Hände vor dem Zentrum zu lassen, und einem Ude-kime-nage, bei dem wir mit der gestreckten Hand vor Ukes Mitte ein Glas leeren sollten, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, rollten wir alle quietschvergnügt durch den Sand, machten gelegentlich Sandengel, und ließen uns hin und wieder von vorbeituckernden Schiffen vom Trainieren ablenken.

Der Irimi-nage aus Shomen-uchi in Suwari-waza war zum Schluss noch mal eine echte Herausforderung. Zuerst musste man sein Zentrum, welches sich in Seiza im Sand sehr gut setzt, mühsam hinter den Uke bringen, dann die Hände locker fallen lassen und kurz bevor Uke mit dem Kopf voran im Sand landet diesen mit dem Arm abgefangen, an die Schulter nehmen, umlenken und rückwärts in den Sand werfen.

Viel zu schnell war das S(tr)andtraining vorbei und es musste erstmal der Sand, der sich überall im Gi angesammelt hatte, ausgeschüttelt werden, bevor es zum absoluten Highlight an diesem Nachmittag, dem Training auf der Sandbank, weiterging. In voller Montur (Gi samt Hakama) wateten einige noch durch die Kieler Förde auf die Nahe gelegene Sandbank um dort das Training abzuschließen oder einfach so herumzuplanschen.

Manch einer flog nun mit den zuvor am Strand geübten Techniken in die Ostsee. Dummerweise gab das Wasser als Untergrund für die Vorwärtsrolle nach, und ob man wollte oder nicht: Am Ende war immer Land unter und Uke tauchte prustend und lachend aus dem Wasser wieder auf.

Nachdem wir uns auf der Sandbank genügend ausgetobt hatten marschierten wir mit unseren pitschpudelnassen Gis Richtung Gartenlaube, um in den gemütlichen Teil des Tages überzugehen. Bei mitgebrachten Salaten und Leckereien vom Grill, gekühlten Getränken, selbstgebrautem Bier, Stockbrot und einem warmen Schwedenfeuer im Korb wurde bis spät in die Nacht geschnackt, gelacht, gesungen und der Tag entspannt ausgeklungen.

Danke Sandra und Markus für die Organisation des Strandtrainings und die Vorbereitungen in der Gartenlaube sowie den Kieler Aikidoka für einen unvergesslich tollen Tag, bei dem ich als schwäbisches Landei mit dabei sein durfte.

Vielen Dank an Marina für den Bericht sowie an Sven für die Fotos.

17. Kieler-Woche-Lehrgang mit Markus Hansen


Zum 17. Mal (seit 1998) fand in diesem Jahr unser traditioneller Kieler-Woche-Lehrgang statt. Trotz Sonnenschein und über 25°C Außentemperatur, was eigentlich untypisch ist zur Kieler Woche, war der Lehrgang gut besucht. So tummelten sich wieder 25 Aikidoka auf der Matte in den Uni-Sportstätten, die aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg angereist waren.

Da es auch in der Halle recht warm war, erwärmte uns Markus Hansen, welcher Lehrer dieses Lehrgangs war, mit ein paar lockeren und dynamischen Bewegungen. An Technik sollte hier noch gar nicht gedacht werden, es sollte einfach eine harmonische Bewegung entstehen bei der sich Uke und Nage fließend in ihren Rollen abwechselten. Wichtig war, dass man selbstständig die Richtung wechselte, bevor man seekrank wurde.

Es folgten einige spannende Techniken wie zum Beispiel Ude-nobashi. Dieser wurde in einzelne Bewegungs-Bausteine zerlegt, welche nacheinander ausgeführt wurde. Dadurch schaffte man ein anderes Bewusstsein für die einzelnen Bewegungsabschnitte dieser Technik und konnte gezielt auch Mal nur an einen Teil der Technik arbeiten, bis sich alles zu einer flüssigen Gesamtbewegung zusammenfügte. Sehr interessant war auch der Koshi-nage, bei dem man sich mit dem Gleichgewicht, nicht aber mit dem Gewicht von Uke auseinandersetzen sollte.

Ebenfalls spannend war die Ausführung des Ude-kime-nage. Hier war ein gutes Ukemi besonders wichtig, denn Uke sollte Nage die Chance geben, genau zu spüren, was mit Ukes Gleichgewicht passierte und in welche Richtung Uke instabil wurde. Dieses langsame und bewusste Ausführen einer Technik hatte den netten Nebeneffekt, dass man nicht all zu sehr in Schwitzen geriet. Dennoch machten wir eine Trinkpause zwischendurch, um danach wieder mit voller Konzentration ins Training zu starten.

Am Ende des Trainings machten wir eine „Einfühlübung“. Ziel war es, dass Nage in den Angriff rein fühlt und spürt wohin die Energie von Uke fließt. Bei dieser Übung saß also Nage auf dem Boden und Uke gab etwas Energie auf eine Schulter von Nage. Eigentlich brauchte sich Nage „nur entspannen“, doch das ist leichter gesagt als getan. Mit diesem kleinen Rätsel wurde das Training beendet und alle hatte so ihre Technik, die einen gedanklich noch länger beschäftigen sollte.

Wie immer viel zu schnell war das Training vorbei. Beim Abgrüßen bedankten wir uns bei Markus noch mit ein paar flüssigen Leckereien für seinen tollen Aikido-Unterricht. Nach dem gemeinsamen Mattenabbau hatten unsere Kieler dann wie immer ein leckeres Buffet bereit gestellt. Einige Aikidoka wurden dann noch von der Duschparty der anderen Gäste der Uni-Sportstätten überrascht, die sich offenbar während unseres Trainings entwickelt hatte.

Vielen Dank an Bente für den Bericht, an Sven für die Fotos, und an alle, die mit angepackt haben.

Werdau 2017 - Aikido unter Freunden


Das lange Wochenende zum ersten Mai lud sprichwörtlich dazu ein, für einen Lehrgang genutzt zu werden. Schön, dass auch unsere Aikido-Freunde in Dresden um Stefan Bock dies erkannt und zu einem Lehrgang in die wunderschöne Sportschule Werdau eingeladen hatten. Als Lehrer hatte Werner Conradi aus Hamburg zugesagt, den wir schon von einigen Lehrgängen kennen und dessen Aikido wir sehr schätzen.

Mit sechs Leuten machten wir Kieler Aikidoka uns also nach Sachsen auf. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Hamburg, um mit Werner zusammen weiterzudüsen, und einer ungeplanten kleinen Stadtrundfahrt in Braunschweig kamen wir in Werdau an. Fix bezogen wir unsere Zimmer, die gemütlich eingerichtet waren. Anschließend bauten wir gemeinsam die Matten in der wunderschönen Halle auf.

Werner hatte sich für den Aikido-Unterricht ein superspannendes Programm überlegt. In insgesamt sieben Trainingseinheiten ließ Werner uns an seinem Wissen teilhaben. Präzise auf den Punkt und weich zugleich - so lassen sich Werners Bewegungen zusammenfassen. Die Klarheit seines Aikido spiegelte sich auch in dem sehr gut strukturierten Unterricht wieder. So näherten wir uns Stunde um Stunde den Feinheiten von Tai-jutsu und Buki-waza und schwitzten so manchen Keikogi nass. Auch Suwari-waza kam nicht zu kurz.

Immer wieder zeigte Werner uns die Gemeinsamkeiten bei den Bewegungen mit und ohne Waffen. Auch auf die wichtigen Unterschiede legte er einen Schwerpunkt. So ist die Distanz zu Uke mit Stab und Schwert deutlich größer und muss fix und direkt überwunden werden. Wer da erst noch gemütlich im Kreis herumeiert, ist dann auch mal einen Kopf kürzer. Diese hohe Präzision war insbesondere gefragt, als wir nach einigen Suburi schließlich die Kata Roku-no-jo mit Partnern übten. Dabei haben beide Partner einen Stab und gehen die gleiche Bewegungsfolge durch, was wunderbar zusammenpasst. So übt man neben der räumlichen auch die zeitliche Koordination mit dem Gegenüber.

Auch wenn es zum Planschen im Pool noch zu kalt war, konnten wir doch gemütlich in der kleinen Blockhütte draußen grillen. Stefan zeigte wieder mal, dass er nicht nur Lehrgänge auf die Beine stellen, sondern auch Würstchen knackig über dem Feuer braten kann. Beim gemütlichen Plausch holte sich so mancher noch einen Nachschlag vom Grill. Und als die Sonne langsam versank und es doch noch etwas abkühlte, trafen wir uns beim Billard wieder. Hier drehte sich die Expertise um: "Werner, Du musst das mit Gefühl machen! Wie Aikido!" - unser einziger Weißgurt Turan entpuppte sich als Billard-Profi.

Viel zu schnell waren die drei Tage um, das letzte Training trainiert, die Matten wieder abgebaut und die Taschen wieder gepackt. Die Verabschiedung war dann auch nicht weniger herzlich als die Begrüßung. Und alle waren sich einig: Werner ist ein richtig guter Aikido-Lehrer und Werdau eine viel zu schöne Location, um sich nicht wieder dort zu treffen.

Vielen Dank an Stefan, Werner und alle, die zum Gelingen dieses wunderschönen Aikido-Wochenendes beigetragen haben.