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Werdau 2017 - Aikido unter Freunden


Das lange Wochenende zum ersten Mai lud sprichwörtlich dazu ein, für einen Lehrgang genutzt zu werden. Schön, dass auch unsere Aikido-Freunde in Dresden um Stefan Bock dies erkannt und zu einem Lehrgang in die wunderschöne Sportschule Werdau eingeladen hatten. Als Lehrer hatte Werner Conradi aus Hamburg zugesagt, den wir schon von einigen Lehrgängen kennen und dessen Aikido wir sehr schätzen.

Mit sechs Leuten machten wir Kieler Aikidoka uns also nach Sachsen auf. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Hamburg, um mit Werner zusammen weiterzudüsen, und einer ungeplanten kleinen Stadtrundfahrt in Braunschweig kamen wir in Werdau an. Fix bezogen wir unsere Zimmer, die gemütlich eingerichtet waren. Anschließend bauten wir gemeinsam die Matten in der wunderschönen Halle auf.

Werner hatte sich für den Aikido-Unterricht ein superspannendes Programm überlegt. In insgesamt sieben Trainingseinheiten ließ Werner uns an seinem Wissen teilhaben. Präzise auf den Punkt und weich zugleich - so lassen sich Werners Bewegungen zusammenfassen. Die Klarheit seines Aikido spiegelte sich auch in dem sehr gut strukturierten Unterricht wieder. So näherten wir uns Stunde um Stunde den Feinheiten von Tai-jutsu und Buki-waza und schwitzten so manchen Keikogi nass. Auch Suwari-waza kam nicht zu kurz.

Immer wieder zeigte Werner uns die Gemeinsamkeiten bei den Bewegungen mit und ohne Waffen. Auch auf die wichtigen Unterschiede legte er einen Schwerpunkt. So ist die Distanz zu Uke mit Stab und Schwert deutlich größer und muss fix und direkt überwunden werden. Wer da erst noch gemütlich im Kreis herumeiert, ist dann auch mal einen Kopf kürzer. Diese hohe Präzision war insbesondere gefragt, als wir nach einigen Suburi schließlich die Kata Roku-no-jo mit Partnern übten. Dabei haben beide Partner einen Stab und gehen die gleiche Bewegungsfolge durch, was wunderbar zusammenpasst. So übt man neben der räumlichen auch die zeitliche Koordination mit dem Gegenüber.

Auch wenn es zum Planschen im Pool noch zu kalt war, konnten wir doch gemütlich in der kleinen Blockhütte draußen grillen. Stefan zeigte wieder mal, dass er nicht nur Lehrgänge auf die Beine stellen, sondern auch Würstchen knackig über dem Feuer braten kann. Beim gemütlichen Plausch holte sich so mancher noch einen Nachschlag vom Grill. Und als die Sonne langsam versank und es doch noch etwas abkühlte, trafen wir uns beim Billard wieder. Hier drehte sich die Expertise um: "Werner, Du musst das mit Gefühl machen! Wie Aikido!" - unser einziger Weißgurt Turan entpuppte sich als Billard-Profi.

Viel zu schnell waren die drei Tage um, das letzte Training trainiert, die Matten wieder abgebaut und die Taschen wieder gepackt. Die Verabschiedung war dann auch nicht weniger herzlich als die Begrüßung. Und alle waren sich einig: Werner ist ein richtig guter Aikido-Lehrer und Werdau eine viel zu schöne Location, um sich nicht wieder dort zu treffen.

Vielen Dank an Stefan, Werner und alle, die zum Gelingen dieses wunderschönen Aikido-Wochenendes beigetragen haben.

Testballon Waffentraining


Immer wieder kam im Training - insbesondere nach Lehrgängen - der Wunsch auf, mehr mit Waffen zu trainieren. Gerade die von uns, die noch keine großen Erfahrungen damit sammeln konnten, erreichen auf Lehrgängen schnell ihre Grenzen. Wie halte ich das Schwert/den Stab richtig, wo lege ich ihn ab, wie greife ich richtig an und wie in aller Welt bekomme ich es hin, dass sich dieses Holzding nicht wie ein völliger Fremdkörper anfühlt und Bewegungen macht, die ich mir so nicht gedacht habe?

Aus dem Feedback ist die Idee gewachsen, das Waffentraining frühzeitig in das Training einzubieziehen. Abgeprüft werden sie zwar erst spät, aber mit Waffen ist es wie mit Dan-Techniken, theoretischen Inhalten, Wissen über den Tellerrand hinaus: Lernt man sie rechtzeitig, sind sie „normal“.

Da unser reguläres Training gut besucht ist, wäre es dort mit Waffen zu eng geworden, daher sind wir an einem Samstag auf die Gymnastikhalle der Uni Kiel ausgewichen, in der auch unsere Aikido-Lehrgänge stattfinden. Die Resonanz auf das Zusatzangebot war gut, von Anfänger bis Erfahrenere waren alle dabei und doch mussten wir gemeinsam bei Null anfangen.

So vielseitig wie die Aikido-Stile sind, so vielseitig sind die Waffenstile, je nachdem woher der Lehrende, in unserem Fall Markus, seine Einflüsse hat. Markus Einflüsse sind hier in erster Linie geprägt aus seiner Zeit beim Aikijujutsu und Iaido. Es war ein sehr strukturiertes Training, in das wir mit einer kleinen Theorie-Einführung gestartet sind. Anschließend sind wir zur Etikette, ebenfalls einem wichtigen Bestandteil im Budo, übergegangen: Wie bewege ich mich mit dem Schwert, wo lege ich es ab, was bedeuten die Arten und Weisen dabei, wie halte ich es, wenn mein Lehrer erklärt, und so weiter.

Wir nutzten außerdem einen großen Vorteil der Gymnastikhalle, die Spiegel: Um uns an das Bokuto zu gewöhnen und gleichzeitig sicher im Schlag zu werden, hat jeder für sich, nach ausführlicher Erläuterung von Markus, das richtige Schneiden geübt. Hierbei konnten wir uns selbst beobachten und korrigieren. Fühlte sich jeder Schlag am Anfang anstrengend an, wurden sie nachher weicher, weil der Körper den richtigen Weg für das Bokuto gefunden hatte.

Nach und nach hat Markus den Schwierigkeitsgrad erhöht, so dass wir Paarweise Bokuto gegen Bokuto arbeiten konnten. Wie in seinem Aikido legte Markus auch hier einen Fokus darauf, verletzungsfrei und kontrolliert miteinander zu arbeiten. Nach drei Stunden und ganz viel Input war das Training auch schon zuende. Markus hatte noch viel mehr auf dem Zettel, aber die Zeit war um und unsere Köpfe gut am Rauchen.

Bokuto-Workshop bei Markus Hansen am 14./15. August 2010


Sommerferien - da macht man doch kein Aikido, da die Hallen geschlossen sind? Fast richtig. Dafür trifft man sich in Markus Garten, um ein Bokuto (den meisten wohl als Bokken bekannt) anzufertigen. Aber alles der Reihe nach.

Nachdem Markus Hansen darüber in seinem Blog berichtet und schon auf dem einen oder anderen Lehrgang im Frühling von mehreren Leuten wegen seines selbst gefertigten Schwertes angesprochen wurde, konnte er nach einiger Zeit zu einem Workshop überredet werden. So war die Idee geboren und sollte nun auch ausgeführt werden. Also spendierte Markus seine Zeit, sein Wissen und seinen Garten und wir, dreizehn Aikidoka aus verschiedenen Teilen Deutschlands, unsere Geduld und Aufmerksamkeit.

Wir trafen uns am Samstag Nachmittag und bekamen Werkzeug, Holz, gute Ratschläge und Zeitvorgaben („in zwei Stunden hat Musashi aus einem Ruder ein Bokuto geschnitzt, viel Spaß“) in die Hand gedrückt. Wir machten uns an die Arbeit. Zwei Stunden? Nach zwei Stunden konnte man so langsam erkennen, dass es kein Baseball-Schläger werden sollte, doch so richtig zufrieden schaute noch keiner aus.

Und deshalb arbeiteten wir gewissenhaft, in aller Stille weiter. Nichts außer dem Abschneiden und Fallen der Holzspäne sowie dem prasselnden Regen auf dem Pavillondach war zu hören, eine fast meditative Ruhe. Doch irgendwann lockte der Grillgeruch die Ersten aus dem Pavillon und verschaffte dem ein oder anderen Handgelenk und Arm eine kleine Verschnaufpause.

Zwischen den leckeren Würstchen, Fleischstücken, Salaten und Broten wurde immer weiter gearbeitet, doch irgendwann brachen die ersten Aikidoka auf, um die harte Bank gegen ein schön weiches Sofa oder Bett zu tauschen. Ich habe mir erzählen lassen, dass einige erst um Mitternacht von ihrem Bokuto abgelassen haben und von Markus ins Bett geschickt wurden – so etwas kennt man doch eigentlich nur von Kinder- und Jugend-Lehrgängen ...

Am nächsten Morgen war auch keine Zeit zum Ausschlafen, denn wir trafen uns um 8:30 Uhr am Falckensteiner Strand zum Aikido-Training mit dem Schwert. Leider hatte bis dahin nur einer ein Exemplar zustande gebracht, das jetzt hätte eingesetzt werden können. Die anderen nahmen ihre alten Schwerter und es wurden verschiedene Angriffs- und die entsprechenden Abwehrbewegungen geübt. Training am Strand ist immer wieder schön (wahrscheinlich besonders für unsere Besucherinnen und Besucher aus der Nähe von Trier und Dresden) – mit Kreuzfahrtschiffen als Hintergrund, viel Platz und schwergängigem Sand, der bei jeder Bewegung mitgeschoben werden wollte.

Nach dieser schön(en) anstrengenden Trainingseinheit ging es wieder zurück in Markus Garten – während die meisten noch an ihren Schwertern arbeiteten, wurde nebenbei wieder der Grill angeworfen und das Fleisch und die Würstchen flambiert. Die meisten waren auch dann noch nicht mit ihren Arbeiten zufrieden, aber die Motivation, das Bokuto zu Hause fertig zu stellen, war deutlich zu hören. So langsam klang dann auch dieser Workshop aus und wir machten uns auf den Heimweg.

Hier habe ich nicht nur gelernt, wie viel Arbeit in so einem eigenen Bokuto steckt, sondern neue nette Menschen kennengelernt und alte wiedergetroffen. Ich hoffe, wir sehen uns auf Aikido-Lehrgängen mal wieder. Im Aikidojournal Ausgabe 64DE erschien eine Reportage zum Workshop. Außerdem gab es anläßlich des Workshops auch ein Audio-Interview mit Markus Hansen.

Ein Bokken selbst schnitzen


Damit es nachher nicht heißt, keiner hätte was gesagt: Am 14./15. August 2010 (von 14:00 - 14:00 Uhr) besteht die Möglichkeit, sich bei einem Workshop im Kieler Vorort Kronshagen ein Bokuto, oft eher als Bokken bekannt, im Rahmen eines Workshops unter Leitung von Markus Hansen selbst herzustellen. Neben einer Einführung in unterschiedliche Formen der Schwerter verschiedener Schulen (z.B. Krümmung der Klinge, Ausarbeitung der Spitze), die jeweiligen Eigenschaften verschiedener Hölzer und Öle und einige Werkzeuge und Bearbeitungstechniken sowie dem eigentlichen Schneiden der Bokuto / Bokken ist auch ein morgendliches Aikido-Training mit den Erzeugnissen am Strand der Kieler Förde geplant. Die Kosten für Material, Werkzeug (zum Mitnehmen) und Verpflegung (wir wollen grillen) werden 120 Euro betragen. Wer will, kann sich zusätzlich noch ein T-Shirt mit dem Workshop-Logo anschaffen. Einige Plätze sind noch frei, weitere Informationen gibt es hier: Bokuto Workshop Kiel 2010.