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Aikijo unter freiem Himmel


 Die Halle war am Mittwoch gesperrt, also sind wir raus in den Garten. Da das Fallen im Grass meist grüne Flecken hinterläßt, die aus dem Keikogi auch nicht wirklich gut wieder rausgehen, haben wir uns ein wenig handliches Holz geschnappt, um ein paar Formen mit dem Jo zu üben. Es war wirklich sehr sonnig, weshalb auf den meisten Bildern die Aikidoka mit ihren weißen Klamotten leuchten wie die Außerirdischen. Bei der Form, mit der wir am Mittwoch angefangen haben, handelt es sich um eine lockere Verknüpfung von Grundformen, bei denen eine Partnerin oder ein Partner gegenüber jeweils (punkt-) gespiegelt die gleichen Bewegungen macht. Das erleichtert das Finden des Rythmus, auch die Abfolge der Bewegungen lernt sich so leichter. Und es macht unheimlich Spaß, vor allem unter freiem Himmel. Hoffentlich ist im Sommer das Wetter gut, denn während der Ferien sind die Hallen leider komplett dicht. Eine Ausweichmöglichkeit wäre, zumindest einmal die Woche mit dem Holz durch den Garten zu turnen. Das Training mit Waffen ist eine gute Ergänzung für die waffenlose Körperarbeit. Viele Bewegungen entsprechen sich, Koordinationsvermögen und Präzisionsgefühl werden geschult. Insbesondere für die Abwehr bewaffneter Angreifer ist es unerlässlich, mit den Waffen auch selbst halbwegs umgehen zu können, damit z.B. die Distanzen richtig eingeschätzt werden. Nicht unbedingt das richtige Distanzgefühl hatte ein Zuschauer: Irgenwie haben die kleinen Tierchen mich wohl ganz doll lieb, zumindest ist der ganze Garten derzeit voller Marienkäfer und der hier flog eben auf mich. Er (oder sie?) ist mir nachher im Keikogi noch den Rücken runtergekrabbelt. Sowas kitzelt ein wenig und die Leute sind auch gut amüsiert, wenn man versucht, den kleinen Krabbelkäfer da wieder rauszubugsieren. Auch wenn es beim Aikijo genauso wie im Taijutsu darum geht, die Angriffsenergie aufzunehmen und umzulenken, sollte man mindestens hier doch schon wissen, wie man einen Schlag blockt und wie sich das anfühlt. Von dieser statischen Grundform ausgehend kann man sich dann immer weicher vorarbeiten. Pay hat mir seinen Jo (Eiche, geölt) dann hier gelassen, der kommt in den Kamin. Nach dem Training hatten einige Leute erfreulicherweise noch etwas Zeit, so dass wir bei Baguettes, Salaten etc. wieder neue Kräfte tanken und ein wenig schnacken konnten. Nächstes Mal wird das besser geplant und der Grill von den Schlingpflanzen befreit.

10. Kieler-Woche-Lehrgang mit Ernst Schmidt


Am Samstag, 21. Juni 2008, war nicht nur Sommeranfang - zum zehnten Mal in Folge hat unsere Aikido-Gruppe einen Aikido-Lehrgang zur Kieler Woche ausgerichtet. Freundlicherweise hatten uns die Preetzer Aikidoka mit Matten ausgeholfen (Danke!), denn 54 Aikidoka aus 11 Vereinen hatten sich angemeldet und bis zu 600km Weg auf sich genommen, um einen Nachmittag unter Leitung von Ernst Schmidt gemeinsam Aikido zu üben. Einige waren dann zwar aufgrund von Krankheit oder Verkehrshindernissen leider doch nicht gekommen, aber auch so war es nicht leer auf der Matte.
Der große Andrang mag zum einen daran liegen, dass wir den Lehrgang im Laufe der Jahre etabliert haben und sich die Kieler Aikidoka bei der Ausrichtung besonders viel Mühe geben (insbesondere das kleine Buffet danach wurde mehrfach lobend erwähnt). Zum anderen ist Ernst aber ein Geheimtipp für wunderschönes Aikido, dem man die nun vierzig Jahre Erfahrung auf der Matte sowohl in der eleganten Ausführung der Techniken als auch in seinem Unterrichtsstil deutlich anmerkt. Ob Jung, ob alt, Anfänger oder Fortgeschrittene - Ernst fand zu allen den richtigen Zugang und konnte ihnen noch die eine oder andere Anregung mit auf den Weg geben.
Durch eine Aikido-Vorführung von Ernst bin ich selbst 1986 zum Aikido gekommen und habe dann ca. 10 Jahre in Preetz bei ihm als meinem Lehrer trainiert. Meine Begeisterung für Aikido geht darauf zurück und meine Herangehensweise an das Ganze wurde deutlich von ihm geprägt. Zumindest letzteres wurde dann auch mit einem leichten Grinsen von der einen oder dem anderen aus unserer Gruppe bemerkt.
Leider waren die Lichtverhältnisse in der Holsteinhalle nicht so toll, weswegen viele der Fotos, die während des Lehrgangs gemacht wurden, leider nichts geworden sind (auf die nachbearbeiteten Bilder in diesem Artikel kann man für eine Großansicht übrigens draufklicken). Trotzdem werden wir versuchen, auch im nächsten Jahr wieder die gleiche Halle zu bekommen. Denn obwohl sie ebenfalls den rustikalen Charme hat, den wir schon aus der nun wegen Baufälligkeit geschlossenen Polizeihalle im Mühlenweg kennen, ist sie verkehrstechnisch hervorragend zu erreichen, was nicht nur für unsere Gäste sondern auch für die Mattentransporte wichtig ist.
Spätestens am Ende des Trainings waren dann alle gut in Schweiß. Angenehm entspannt versammelte man sich zum Abgrüßen am Mattenrand und lauschte den letzten Ausführungen, die Ernst noch mit auf den Weg gab. Mir blieb nur noch, mich bei ihm für nicht nur dieses schöne Training zu bedanken und ihm ein kleines Geschenk zu überreichen. Aufgrund des sehr langen Applauses haben wir dann zwei Minuten länger gebraucht, als zu Beginn des Trainings geplant. ;-)
Dass es ab und an mal Stress zwischen verschiedenen Organisation gibt, konnte man auf der Matte nicht bemerken. Im Gegenteil: Alle trainierten gern miteinander, die Stimmung war ausgesprochen gut. Jeder hatte irgendwen endlich mal wieder getroffen, so dass man auch nach dem Training noch lange zum Klönschnack beisammen stand. Vorher kam man noch kurz zu einem Foto zusammen. Ernst hatte seinen Hakama übrigens am Schnellsten ausgezogen und verstaut, wie man auf dem Gruppenbild oben sieht - er wollte zügig beim Mattenabbauen helfen. Die Matten wurden dann wieder in die Anhänger verstaut, mit denen sie auch geholt wurden, und am Sonntag vormittag bzw. am Mittwoch zurück in ihre Hallen gefahren. - So einen Lehrgang stellt man nicht allein auf die Beine, daher möchte ich an dieser Stelle noch mal allen herzlich danken, die durch ihren Einsatz dazu beigetragen haben, dass wir so viel Lob für die Ausrichtung bekommen haben: Danke, Leute! :-) Wie üblich ging es am Samstag Abend noch zusammen über die Kieler Woche, wobei sich in diesem Jahr ein Taxi-Unternehmen allerdings nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert hat, was in locker anderthalb Stunden Verzögerung resultierte. Zum Glück tat dies der guten Laune keinen Abbruch und wir freuen uns auf's nächste Jahr. Wenn alle, die in diesem Jahr begeistert waren, noch jemanden mitbringen, brauchen wir dann wohl noch mehr Matten ... Bei Interesse gibt es auch noch den Bericht vom 9. Kieler-Woche-Lehrgang mit Thorsten Illiger nachzulesen. Außerdem freuen wir uns über Kommentare. :-)